Schön, dass ich wieder aus dem Krankenhaus entlassen werde, nach Hause kann, meinen eigenen Tagesverlauf bestimme - tief durchatmen (geht noch nicht so gut) - tut gut!
Eigentlich war der Aufenthalt erträglich, doch wer ist schon gern ausgeliefert und auf fremde Hilfe angewiesen. Trotz aller Unannehmlichkeiten gab es auch viele kleine und große Freuden.
Andreas brachte mich am Montag gegen 7.00 Uhr ins Krankenhaus. Da marschierte ich wieder einmal die Auffahrt hoch, viel lieber würde ich sie runter gehen, also setzte ich jeden Schritt bewusst langsam. Auf der Station 10 war man zu dieser Zeit natürlich schon munter und konnte mir das Zimmer 21 zuweisen. Meine Bettnachbarin wartete auf das Frühstück, ich setzte mich dazu und wir plauderten über das Wetter. Es ist einfach das unverfänglichste Thema. Die erste Visite brachte für uns zwei Hinweise: Entlassung für meine Zimmerkollegin und OP-Termin für mich am Mittag. So richtete ich mich für eine Woche im Zimmer ein, räumte die Sachen in den Schrank und Nachtschrank, zog das Engelshemd und die weißen "Reiz"strümpfe an, schluckte meine lma-Tablette und wartete. Das Legen der Flexyle war sehr unangenehm, da es erst beim dritten Versuch klappte. Frau X. sprach mit den Schwestern ab, dass ich nach ihrer Entlassung doch den Fensterplatz belegen könne. Das fand ich richtig nett. Ich schlummerte ein, hatte einige wache Momente, doch so richtig munter wurde ich erst am Nachmittag, als ich aus dem Fenster schauen konnte und die riesige Eiche bestaunte. Da war schon alles überstanden. Ich konnte mich zwar noch an ein fürsorgliches Streicheln über die Wange im OP-Raum erinnern, mehr jedoch nicht. Faszinierend, was so eine Narkose bewirkt. Gut, dass es sie gibt. Es fiel mir schwer, die Augen zu öffnen - Andreas war da. Oh, ich bin so müde. H. schaute kurz vorbei. Endlich das eigene T-Shirt anziehen. Augen auf. Andreas ist immer noch da, hat aber die Augen zu. Ist er auch so müde? Die Sonne blinzelt zwischen den Eichenblättern hindurch. Die Augen fallen mir wieder zu. Schlafen!
Am Dienstag bin ich schon wieder ansprechbar. Die Schmerzen werden durch eine 24h-Tablette unterdrückt, es ziept und drückt doch. Ein Toilettengang ist noch nicht möglich, da kommt der erlösende Stuhl und die Schwestern müssen helfen. Ich freue mich über A., die vorbeischaut und mir gut zuredet, auch neue Zimmerkolleginnen lenken mich ab und natürlich kommt Andreas, der trübe Gedanken vertreibt. Husten, Niesen sowie Lachen sind unmöglich, diese Schmerzen treiben mir sogar die Tränen in die Augen. Die Dränage wird gezogen und ich schaffe einen ersten Gang durch das Zimmer, auch zur Toilette und zum Teewagen. Viele kleine Dinge der Selbstständigkeit werden wieder hart erkämpft. In der Nacht zum Mittwoch schlafe ich ganz schlecht - eher gar nicht. Frau Dr. H. begutachtet während der Visite die Narben unter den Pflastern und ist mit der Wundheilung zufrieden. Wenn alles weiter so gut verläuft, kann ich am Samstag entlassen werden. Meinen Bettnachbarinnen geht es nicht so gut, denn sie warten erst noch auf die OP.
Mit Andreas gehe ich in die Cafeteria. Es ist so heiß, wir essen Eis. Oh, lachen kann ich nicht. Dabei währe es so erlösend. H. wird heute operiert, ich besuche sie in ihrem Zimmer. D. besucht mich und bringt eine wunderschöne Sonnenblume mit. Ja, und sonst, ist wohl das Lesen im Bett noch recht nett.
Die größte Überraschung am Donnerstag sind meine Eltern, die einfach mit ihrer ganzen Liebe in der Tür stehen. Warum muss man nur immer heulen, wenn man so gerührt ist? Selbst Andreas wusste nichts. Eine geniale Idee! Die Erdbeeren und Kirschen schmecken so lecker.
Am Freitag werde ich noch einmal gründlich untersucht und es ist soweit alles o.k. Für die nächsten 4 Wochen gilt: kein Fahrrad fahren, nicht baden, nichts tragen, keine Anstrengung, kein Sex. Ich werde dies alles gut entbehren können, jedoch können 4 Wochen auch recht lang sein. Da haben es die freundlichen Schwestern der Station 10 mit ihrer bestimmenden Art wieder einmal geschafft, mich auf die Beine zu stellen. Den Ärzten und Schwestern ein herzliches Dankeschön!
Wir verstehen uns im Zimmer sehr gut, führen lange Gespräche und können uns gegenseitig helfen. Trotzdem bin ich nicht traurig, dass ich morgen wieder nach Hause kann.
Zum Frühstück am Samstag sitzen wir alle zum ersten Mal am Tisch zusammen. Es stimmt: "Die Zeit heilt alle (viele) Wunden." Andreas ist pünktlich um 8.30 Uhr da und ich bin froh, dass auch diese Sache überstanden ist. XXX
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Jetzt fahre ich zur Laparoskopie für eine Woche ins Krankenhaus.
Ich bin aufgeregt, jedoch zuversichtlich, da ich weiß, dass viele liebe Gedanken mich begleiten.
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Hallo, mein liebes Kind, ich gratuliere zum Geburtstag und wünsche, dass all deine Gedanken, deine Kraft, deine Empfindungen und Vorstellungen beständig positiv sind, um den Alltag zu meistern, um das Leben zu leben.

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Am späten Nachmittag sind wir wieder in Leipzig - trotz Entfernung eine tiefe familiäre Verbundenheit. Ich brauch diese Stunden, in denen ich so viel Liebe spüre. Dadurch gewinne ich meine Sicherheit, Zuversicht und Glauben: Es wird alles gut!
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Ein wunderschönes Wochenende liegt vor uns. Wir fahren nach Oschersleben/Hornhausen und feiern den Geburtstag von Vati nach und in den Geburtstag von Felix hinein. Erst wollten wir hier in Leipzig uns alle treffen, doch dann haben meine Geschwister zu bedenken gegeben, dass es bei ihnen zum Feiern mit 14 Personen viel komfortabler ist. Stimmt! Wir freuen uns über das Angebot und fahren am Nachmittag zu meiner Schwester. Eine lustige Runde sind wir schon zum Kaffee trinken und der Abend vergeht bis Mitternacht recht schnell. Meine Eltern haben alles ganz lieb ausgestattet. Quietschfidel begrüßen wir das 19. Lebensjahr von Felix und haben viele gute Wünsche zu verschenken.
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Mein Vati hat heute Geburtstag und ich denke ganz dolle an ihn. Herzlichen Glückwunsch!
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Auch so wird der Tag einen festen Platz in meiner Erinnerung einnehmen. Zum letzten Mal fahre ich zur Bestrahlung. Wieder gibt es etwas zum Abhaken. Ich habe eine weitere Etappe auf dem Weg zur Gesundheit geschafft. TOLL! TOLL! TOLL! Herzlich bedanke ich mich bei den Schwestern und freu mich, dass sie sich über meine Aufmerksamkeit freuen.
Danach muss ich ins Elisabeth-Krankenhaus und die Voruntersuchungen für die OP am Montag durchstehen. Gespräche, Untersuchungen, Blutabnahmen, EKG und Anästhesie - nach vier Stunden bin ich fertig, fahre erschöpft nach Hause. Zum Ausruhen bleibt nicht viel Zeit, denn wir treffen uns mit der Selbsthilfegruppe in Zwenkau. Bevor ich I. und H. abhole, besorge ich noch ein Mitbringsel für die Gastgeberin und Blumen für A. Von ihr möchte ich mich in diesem Kreis verabschieden und mich für ein liebevolles Begleiten während der Krankheit bedanken. Es wird mein letztes Zusammentreffen mit der Selbsthilfegruppe sein.
Der Abend ist nett, es gibt viel zu erzählen und noch mehr zu essen. Sehr entspannend, bis zur Nachricht, dass ein Unwetter mit riesengroßen Hagelkörner gerade Leipzig verwüstet. Nicht einen Tropfen Regen haben wir hier draußen erlebt und sehen die Zerstörung erst, als wir nach Hause fahren. So ist mein Auto wenigstens verschont geblieben. Manchmal muss man auch Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
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Frau B. hat in Absprache mit Frau Dr. H. meinen Termin für die Laparoskopie verändern können. Darüber bin ich sehr froh und kann somit in der Uniklinik Bescheid sagen.
Gemeinsam fahren Felix und ich zur Bestrahlung. Es ist ein angenehmes Gefühl, einen Begleiter zu haben. Mein Kind spürt genau, wie wichtig mir unsere gemeinsamen Stunden sind. Anschließend fahren wir in die Stadt, dort haben wir eine Verabredung mit M. Bei einem gemeinsamen Mittagessen können wir Gedanken austauschen und M. hat die Gelegenheit seinen Sohn zu sehen. Beim Bummel durch die Leipziger Innenstadt staunt Felix über viel Neues und das ein oder andere Schnäppchen freut ihn auch. Dann verabschiedet er sich für den heutigen Tag und ich fahre nach Hause. Zum Einkaufen am späten Nachmittag ist dann Andreas wieder mein Begleiter.
Ich bin heute ganz Frau.
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Die morgendliche Joggingrunde ist jetzt wieder zu einer angenehmen Tradition geworden und heute bin ich sie ohne Gehpause gelaufen. Richtig stolz bereitete ich mir mein Müsli zu, überlege beim Frühstücken eine neue Terminanordnung und fahre mit dem Auto zur Bestrahlung. Frau Dr. K. hat wenig Zeit zum Erklären, sie schaut sich die Brust an und meint, dass die Haut gut aussieht. Vielleicht doch eine äußere Bestrahlung? Nein, ich will alles dafür tun, dass kein lokales Rezidiv auftritt. Dies haben doch Studien belegt, so hatte es mir eine andere Ärztin erklärt. Die Brust braucht eine längere Erholungspause, somit kann nicht am 19.06. operiert werden. Neuer Terminvorschlag ist der 03.07. - schade, an diesem Tag habe ich eine andere OP. 14 Tage später? Unmöglich! Da sind wir schon umgezogen und die Abschlussuntersuchung von Frau Dr. Langanke sowie die Folgeuntersuchung beim Amtsarzt müssen auch noch absolviert werden. Im Moment gibt es noch keine Lösung. Ich muss versuchen den Termin für die Laparoskopie zu ändern.
Am Mittag rufe ich im Elisabeth-Krankenhaus an. Frau B. ist sehr freundlich und schaut nach: Der OP-Plan ist für die nächsten Wochen voll. Frau Dr. H. steht zurzeit im Operationssaal, ich soll später noch einmal anrufen. Nach einer Stunde hat sich an der Situation noch nichts geändert, so wird Frau B. versuchen, mich am Nachmittag zu erreichen. Zeit zum Abreagieren! Ich freue mich auf K., denn wir sind bei ihr Zuhause verabredet. Oh, wie schön, eine kleine Oase, hier könnte ich auch alt werden - genau das, was ich jetzt brauche. Mit allem werde ich liebevoll versorgt. Da ist etwas für die Seele, für den Geist und auch für den Körper.
Viel zu schnell vergehen diese erholsamen Stunden und die Gedichtzeilen von E. Michel fallen mir ein:
Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben. Ich wünsche, sie möge dir übrig bleibenals Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun, anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Das Handy klingelt und unterbricht unsere Idylle unter dem Nussbaum. Andreas teilt mir mit, das ein Anruf aus dem Krankenhaus kam und dass wir am Abend eine Verabredung in der Gosenschänke haben. Das zweite Klingeln bewirkt mein Kind. Felix ist schon in Leipzig und möchte abgeholt werden. Ich bin freudig überrascht und muss jetzt in die Realität zurück. Danke K. für diese Verschnaufpause.
In Leipzig wird heute WM-Fußball gespielt, da kommt man natürlich nicht durch die Stadt. Andreas ruft erneut an und teilt mir mit, dass er schon in die Schänke fährt, ich nachkommen soll, Felix bereits zu Hause ist. Ein Stückchen Gelassenheit habe ich von K. ja mit auf dem Weg bekommen.
Glücklich treffe ich meinen Sohn und wir können auch noch einige Begrüßungsworte austauschen. Dann fahren wir beide wieder Richtung Gohlis. Er, um Freunde zu treffen und ich in die Gosenschänke.
Abends im Bett finden wir die Zeit, um über den Tag zu reden.
Es gibt viel zu besprechen.
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Sonne - Sommer - Sonne - Sommer - Sonne - Sommer
Für diesen Tag haben wir uns etwas Tolles überlegt. Wir werden in Landsberg anbaden, leider auch gleichzeitig abbaden. Andreas muss nicht zur Schule und kann mich zur Bestrahlung begleiten, anschließend wollen wir gleich ins Bad fahren. Die Bestrahlungsschwestern übergeben mir einen Zettel von der Oberärztin und meinen, dass der OP-Termin nicht eingehalten werden kann. Ich solle mich noch einmal mit ihr unterhalten. Nicht heute, heute möchte ich mich ganz unbeschwert bewegen, heute wird nicht die Krankheit bestimmen, heute werde ich zum Baden fahren - jetzt gleich.
Am Vormittag ist es herrlich im Landsberger Bad unter der Felsenkirche. In der Sonne wird es zu heiß sein und im Schatten ist der Rasen noch taufeucht - wir finden ein unseren Ansprüchen entsprechendes Plätzchen und lassen uns für die nächsten Stunden nieder. Der Badeanzug verdeckt fast alle Markierungen, nur die kurzen Haare könnten auf meine Erkrankung verweisen, sonst sind wir ein ganz normales Paar, welches nicht zur Arbeit muss. Wir lesen und reden, es riecht nach Sonnenkreme, Wasser - gleichzeitig liegt Urlaubsstimmung in der Luft. Nach einer ganzen Weile stecke ich den großen Zeh in das Wasser, es ist wirklich eiskalt. Die Füße baden kann auch ganz nett sein. Ich "darf" sowieso nicht ins Wasser. Die Beine stecken schon drin, der Po wird nass, ach egal, nun bin ich drin. Mit dem Gefühl der großartigen Lebendigkeit schwimme ich einige Bahnen, auch Andreas kommt ins Wasser und freut sich.
Das Empfinden in diesen Stunden werde ich nie vergessen.
Am Nachmittag sind wir wieder Zuhause und dann fahre ich noch zum Yoga.
Ich habe heute wirklich mit allen Sinnen intensiv gefühlt.
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Die letzte Woche der Bestrahlung beginnt. Es ist im Vergleich zur Chemotherapie für mich wirklich keine Belastung. Mit dem Rad kann ich fahren und so verläuft der Vormittag ganz ruhig. Der Termin für die innere Bestrahlung wird der 19.06.2006 sein. Daher kann ich am Nachmittag, wenn ich im Elisabeth-Krankenhaus bin, den Zeitpunkt für die Laparoskopie festlegen.
Entspannt fahre ich nach Hause, kaufe unterwegs noch eine große Portion Spargel und freue mich auf Andreas, der montags seinen kurzen Unterrichtstag hat.
Spargel essen wir sehr gern, jedoch ist die Vorbereitung unheimlich aufwendig. Ich setze mich auf den Balkon und fange gleich mit dem Schälen an. Unser "Verwöhnmittagessen" schmeckt prima. Danach ist sogar noch Zeit, um ein wenig zu ruhen, bevor ich dann mich wieder auf das Rad schwinge und zum Krankenhaus fahre.
Es ist die gleiche Station, Station 10 - doch diesmal behandelt mich Frau Dr. H., Chefärztin der Gynäkologie. Schwester M. ist mir noch sehr vertraut, dadurch sinkt meine Nervösität. Alle sind freundlich. Wir sprechen über die Laparoskopie, diese wird genau erklärt, anschließend werde ich noch untersucht. Ich kann einen Wunschtermin nennen - toll - dann wird es der 03.07.2006, passt in unseren Zeitplan. Damit habe ich die nächsten Etappen abgesteckt und kann mich auf alles einstellen.
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Auch heute sind die Temperaturen sehr angenehm - ein Sonntag zum Gedanken treiben lassen - "rummmuddeln" - entspannen. Es gibt zwar immer etwas zum Erledigen, doch ohne Zwang.
Am Nachmittag fahren wir mit den Rädern zum Cospudener See und besuchen D. und D. Hier können wir ausgiebig quatschen und unsere Freundschaft genießen. Wir sind uns sehr wichtig und werden trotz unseres Umzuges eine enge Verbindung aufrechterhalten.

Wahre Freundschaft besteht in einer Einheit der Seelen, die es nur selten gibt auf dieser Welt. Nur zwischen gleichen Naturen kann eine Freundschaft dauerhaft bestehen.
Mahatma Gandhi, (1869 - 1948 ermordet)

Unsere "Naturen" ähneln sich sehr, da wären gleiche Berufe, gleiche Fachrichtungen, gleiche Interessen, fast gleiches Aussehen.
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Heute ist der erste richtige Sommertag, denn die Sonne scheint schon am frühen Morgen vom strahlend blauen Himmel. Nach unserem sportlichen Tagesbeginn frühstücken wir auf dem Balkon. Die Vögel zwitschern, der Wind streichelt die Blätter und Sonnenstrahlen kitzeln auf der Haut. Es wird ein sehr erholsames Wochenende werden. Bevor wir gemeinsam zur Bestrahlung fahren (Termin für Pfingstmontag), radeln wir noch zur Autovermietung, um einen Transporter für den Umzug zu bestellen. Anschließend bummeln wir durch die Stadt, schauen in die Geschäfte, beobachten die Fußballfans, lecken ein Eis. Es ist eine so friedliche Atmosphäre und ich bin innerlich so ruhig, obwohl die Stadt natürlich im Fußballfieber pulsiert. Am Nachmittag sitzen wir wieder auf dem Balkon und lesen, wir haben Zeit, Zeit, die ich mir so gewünscht habe. Auch wenn im Hinterkopf noch zwei Schreibaufgaben lauern, die verschiebe ich auf morgen und genieße jetzt den ruhigen Augenblick. Wer weiß, wann ich diese tiefe Zufriedenheit wieder einmal empfinden werde. Unser abendlicher Spaziergang führt uns in den Biergarten. Es passt zu diesem Tag. Am Abend sucht Andreas im Internet nach Möbeln und findet tolle Stücke. Wir diskutieren über die neue Einrichtung, freuen uns über die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen und ich stelle entsetzt fest, dass wir in genau 8 Wochen unsere "neue" Arbeit beginnen werden.
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Ich komme nicht zum Schreiben, die Zeit verrinnt, es gibt auffallend viel zu erledigen - zu erleben - zu leben.
Noch muss ich nicht zur Arbeit, doch jeder Tag vergeht so schnell, dass einige Vorhaben einfach nicht realisiert werden können. Dabei stehe ich wirklich mit Andreas meistens gegen 6.30 Uhr auf. Wenn er aus dem Haus ist, wird ein wenig aufgeräumt, Gymnastik oder Joggen, Körperpflege, Sachen heraussuchen - anziehen, dann fahre ich zur Bestrahlung und bin gegen 12.00 / 13.00 Uhr wieder zu Hause. Ganz in Ruhe bereite ich das Mittagessen vor, jetzt ist es schon 14.30 Uhr und Andreas kommt von der Schule. Nach dem Essen bin ich meistens mittagsschlafreif - lege mich aber nicht immer hin. Eine Aufgabe ist noch für den Nachmittag und dann ist der Tag schon fast wieder zu Ende. Ich wünsche mir mehr Zeit!
Zu Pfingsten (02.06. bis 04.06.) waren wir in Düren, unserer neuen Heimat, um eine Wohnung zu suchen. Wir haben in einer herrlichen Ferienwohnung mit Blick auf die Berge unsere Zentrale aufgeschlagen und dann von dort einen Besichtigungsmarathon absolviert. Dabei konnten wir viele interessante Menschen kennen lernen und ein wenig auch ihre Mentalität verfolgen. Die letzte Wohnung, die wir uns angesehen haben, wird ab 01.07.2006 unsere neue Wohnung in Merzenich, 4 km von Düren entfernt, sein. Es war eine sehr intensive Zeit, die nur bedingt anstrengend war, da Andreas alles bestens organisiert hat. Interessant waren die Reaktionen der Vermieter auf mein Aussehen. Ein Paar, bei dem die Frau ein Kopftuch trägt, wird argwöhnisch inspiziert. Erst als sich herausstellte, dass ich aus Krankheitsgründen das Tuch trage, hellten sich die Mienen auf. Paradox!
Als wir am Sonntagabend wieder im eigenen Bett lagen und die vergangenen Tage Revue passieren ließen, waren wir sehr zufrieden.
Ein verregneter Pfingstmontag (05.06.) lud zum Entspannen ein. Den tristen Tag lockerte K. am Nachmittag auf, indem er mit leckerem Kuchen zum Kaffee/Teetrinken vorbeikam. Mit dem Dienstag, 06.06.06 begann eine nächste Bestrahlungswoche. Meiner Haut sieht man die Bestrahlungsprozedur noch nicht an, darüber bin ich sehr froh. Trotz des Schwitzens bei allen sportlichen Bewegungen und dem Duschen entstanden noch keine Reizungen, es muss nur regelmäßig nachgezeichnet werden. Nach der Bestrahlung bin ich auf einen Schwatz zu meiner Kollegin R. in die Turnhalle gefahren, um anschließend auch noch in der Schule vorbeizuschauen. Wohlmeinend erkundigen sich die Kollegen nach meinem Befinden und freuen sich, wenn es mir gut geht. Bevor ich am Abend zum Yoga fahre, besuche ich H. noch im Krankenhaus. Am Mittwoch (07.06.) sah Dr. M. nach der 20. Bestrahlung meine Brust an, erkundigte sich nach meinem Befinden und besprach, nach entsprechender Nachfragen, mit mir die Röntgenbefunde. Diese weisen keine Auffälligkeiten auf, es ist alles in Ordnung - ein Stein fällt mir vom Herzen. Wie verläuft die weitere Behandlung? Es soll abgewartet werden. Umgehend soll ich für die Nachbestrahlung (Boost) einen Gesprächstermin mit der Oberärztin vereinbaren. Eine Absprache kann ich bereits am Donnerstag vornehmen, nur nicht mit Frau Dr. K., sondern mit Frau Dr. H. Dieser 08.06. wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, weil ich mit der festen Überzeugung, dass nur eine äußere Bestrahlung infrage käme, ins Gespräch ging. Nach einer halben Stunde schwirrte ein riesengroßes Fragezeichen durch meinen Kopf. Die interstitielle Brachytherapie ist sicherer, schonender, kosmetisch besser und milder. Es ist allerdings auch eine weitere Operation, ich muss wieder ins Krankenhaus und es sieht bestialisch aus.
So, Frau Schimanski, entscheiden sie sich jetzt. Nein, nicht sofort kann ich mich entscheiden. Gut, dass ich mit dem Fahrrad nach Hause fahren kann, so habe ich noch Zeit zum überlegen. Mit Andreas kann ich Vor- und Nachteile abwägen, doch eine Entscheidung muss ich alleine treffen. Ich recherchiere wie so oft im Internet und lese auch im Brustordner nach. Eine willkommene Ablenkung ist am Nachmittag das Suchen nach Anregungen für die neue Wohnungseinrichtung bei IKEA und Höffner. Andreas und ich haben viel Spaß und staunen nicht schlecht über die Preise. Außerdem ist dieser Nachmittag eine weitere Premiere, denn bei dem herrlichen Sonnenschein trage ich kein Tuch mehr und fühle mich neben Andreas mit meinen kurzen Haaren auch angenommen. Dieses Gefühl wird durch seinen Entschluss verstärkt, sich selbst die Haare recht kurz schneiden zu lassen. So sitzen wir zum Abendbrot mit raspelkurzen Haaren auf dem Balkon und genießen den Sonnenuntergang. Ja, ich werde auf Nummer sicher gehen und die innere Bestrahlung durchführen lassen. Auch dies werde ich noch überstehen - muss ich.
Nun ist die Woche schon wieder fast vorbei und es beginnt die kopftuchfreie Zeit. Nach der Bestrahlung (09.06.) teile ich den Schwestern meinen Beschluss, die interstitielle Bestrahlung durchführen zu lassen, mit. Wenn ich mich endlich entschieden habe, fühle ich mich immer befreiter. Jetzt kann ich mich besser auf ein sonniges Wochenende freuen. E. und R. schauen kurz am Nachmittag vorbei, um das ungenutzte Fahrrad abzuholen. Am Abend kommen I. und S., wir werden auf dem Balkon sitzen, quatschen und einfach uns wohl fühlen.
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Kindertag
Hallo, mein Kind, ich denke an dich - in jeder Stunde wenigstens einmal!

Wir sollten uns weniger bemühen, den Weg für unsere Kinder vorzubereiten als unserer Kinder für den Weg. ( USA)

Das Aufstehen fällt mir heute schwer, doch unser gemeinsames Frühstück ist mir schon wichtig, raus aus dem Bett und munter werden. Zur Bestrahlung muss ich heute eine halbe Stunde eher, also kann ich noch die E-Mails checken, aufräumen und natürlich mich anziehen. Die Joggingrunde absolviere ich dann nach der Bestrahlung.
Das Wetter zeigt sich auch heute von seiner launischen Seite und so fahre ich lieber wieder mit dem Auto.
Es gibt keine Wartezeit, darüber hinaus noch ein angenehmes Gespräch mit den Schwestern. Ich freue mich, denn die Zeit für die Bestrahlung morgen konnte auf 8.00 Uhr verlegt werden.
Beim Laufen werde ich wieder einmal pitschnass, es regnet zwischenzeitlich stark.
Was werde ich zum Mittagessen kredenzen? "Überlänges" (Rester vom Vortag). Der Aufwand hält sich in Grenzen, es ist für heute o.k..
Am Nachmittag muss ich zum Zahnarzt und danach fahre ich noch zu Heidi ins Krankenhaus.
Meine Abendarbeit wird das Schreiben der verlorenen Tagebuchaufzeichnungen sein.

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