Der Monat März ist nun vorbei, damit auch das erste Vierteljahr 2006. Ich empfinde, dass die Zeit unheimlich schnell vergeht, sobald es mir besser geht, noch viel rasanter. Nach wie vor versuche ich, jede Stunde intensiv zu erleben. Besonders bewusst waren die Spaziergänge in den letzten Tagen. Die Natur, zurzeit der Frühling, ist (sind) genial. Man kann so viel lernen, verstehen, begreifen, erfahren, erkennen, mitbekommen,kapieren ..., wenn man es möchte und sollte versuchen, dies im eigenen Leben umzusetzen. Ich liebe das Leben! Bestimmt wird es mich auch gern haben!
Am Mittwoch habe ich den Schwerbehindertenausweis abgeholt. Es geht mir ja gut und darum fühle ich mich auch nicht wie schwerbehindert - keine komischen Gefühle. Ob er zum Einsatz kommt? Vielleicht im Notfall. Doch was ist ein Notfall? Darüber werde ich im Moment keine Gedanken verschwenden. Für die Bewerbung ist er allerdings auch jetzt schon bedeutsam. An dieser Stelle einen wichtigen Tipp: Passbilder sollte man vor dem Verlieren der Haare anfertigen. Für den Schwerbehindertenausweis habe ich noch ein ganz altes Bild gefunden, doch für die Ausstellung eines neuen Reisepasses brauche ich ein aktuelles. Beim Bürgeramt konnte man mir keine sofortige Auskunft geben, erst nach mehreren Telefonaten wurde mir mitgeteilt, dass eine Fotografie mit Kopftuch möglich wäre. In der nächsten Woche werde ich dieses Projekt in Angriff nehmen.
Unsere Wohnung ist schon für das Osterfest geschmückt. Gestern, als der Wind und der Regen eine Pause einlegten, habe ich den Balkon vom Wintermantel befreit und ihm ein blumiges Frühlingskleid übergestreift. Balkon und Wohnung sieht man meine Vorfreude auf Ostern an. Es ist nicht das Fest an sich, eher die Freude über das Familienzusammensein.
Nach dem Herrichten war noch Zeit für einen kurzen Spaziergang. Wir haben einige Bärlauchblätter im Wald "geerntet", um Kräuterquark anzurichten, denn am Abend kommen Bekannte zu Besuch. Selbst gebackenes Brot mit Bärlauchkräuterquark ist ein geschmacksintensives Abendbrot - lecker!

Mir geht es gut, so gut, so gut! Nach einer Woche ist dies ein ganz normaler Tag! Darüber bin ich sehr froh!

Ich kann mit Andreas morgens aufstehen, Gymnastikübungen absolvieren, zum Frühstück Obst essen, mit dem Auto zum Einkaufen fahren, am Computer länger arbeiten, Eierkuchen riechen und mit Appetit verspeisen, kein Krebsbuch lesen, Blumenduft ertragen und einen tollen Strauß für die Apotheke aussuchen, Laborwerte nicht beachten, auf der Station sagen, dass ich keine Zeit habe, eine liebe Freundin treffen und mit ihr gemeinsam am Abend einen Yogakurs besuchen, nach 20.00 Uhr allein nach Hause fahren - ich kann, ich kann, ich kann!

Guten Nacht!

FRÜHLING
Die Vögel
zwitschern zwischen Schneeglöckchen.
Sonnenscheinstrahlen spüren im Gesicht.
DASEIN

Ich habe ihn heute gefunden.

Ich versuche es wieder, so richtige Stabilität habe ich noch nicht erreicht. Die Übelkeit, Schwindelattacken und das Erbrechen bestimmen nach wie vor den Tagesablauf. Ich komme mir wie ein Seefahrer auf hoher See vor. Es war die letzte Chemotherapie! Es wird besser werden mit jedem Tag! Wann beginnt endlich "jeder Tag"?
Mit vier bis fünf Apfelspalten und einem großen Pott Tee startete ich in den Frühling, 21.03.2006 - zur letzten Chemotherapie. Alle haben mir gut zugesprochen, auch Andreas flüstert mir aufmunternde Worte ins Ohr beim Verabschieden. Zuerst der Piekser im Labor (Hb 7,5 / Leuko 3,20 / Thrombo 263), dann gehe ich zur Station 10. Die Werte werden eingetragen und Schwester I. bringt mich zum EKG. Es ist alles o.k., also muss ich nur noch ein Zimmer beziehen. Ich überbrücke die Wartezeit, indem ich Frau Dr. Langanke aufsuche, um mir einen Überweisungsschein für die anschließende Bestrahlung ausstellen zu lassen. Leider ist ihre Zeit sehr begrenzt und ich kann nur eine Frage loswerden. Für mich ist es sehr schwierig, die passende Gelegenheit zu finden, um in einem Gespräch meine Probleme zu besprechen. Während der Chemotherapie bin ich nur auf meine Körperreaktionen bedacht und kann mich schlecht auf andere Sachverhalte konzentrieren, die Schwestern können nur bedingt Auskunft geben und die Assistenzärztinnen sind überaus beschäftigt. Ich muss gestehen, dass ich in der vergangenen Behandlungszeit der Chemotherapie nur einmal um einen Gesprächstermin gebeten habe, der ist mir auch gewährt worden. Also, wenn ich etwas möchte, dann muss ich schon Initiative zeigen.
Das Zimmer 31 ist vorgesehen und ich treffe bekannte Patientinnen von der letzten Therapie. Zum Glück wird mir die Entscheidung zwischen Bett oder Stuhl überlassen. Zufrieden richte ich mich im Bett ein. Es ist das letzte Mal! Assistenzärztin W. sticht den Port an. Es ist das letzte Mal! Sie erkundigt sich nach der Arbeit an der Homepage und berichtet über das Patientenforum im Mai. Toll, bestimmt werde ich diesen Gedankenaustausch zwischen Patienten und Medizinmännern/frauen auch nutzen.
Meine Bettnachbarin bekommt Besuch, ebenfalls eine Krebspatientin, auch deren Mann ist an Krebs erkrankt (Schicksale!). Es entwickelt sich eine interessante Frage - Antwort - Situation. Begierig nehme ich alle Informationen auf, die von Betroffenen weitergegeben werden können. Ich muss noch intensiver das Er - Nach - Ausfragen lernen.
H. kommt für einen Kurzbesuch vorbei und bringt die ersten Schneeglöckchen aus dem Garten mit. Ich hoffe, sie weiß, wie wichtig mir diese Besuche immer sind - danke!
Aus der Mittagssuppe suche ich mir fünf kleine Möhren heraus, vielleicht ist es gut, wenn der Magen eine Verdauungsaufgabe hat. Das Wechseln der Flaschen geht sehr zügig, so kann ich Andreas telefonisch mitteilen, dass er mich gleich nach der Schule abholen kann. Frau Dr. R. ersetzt eine Infusion und erkundigt sich nach unserem Befinden. Ich möchte wissen, ob es Möglichkeiten gibt, die Übelkeit stärker zu unterdrücken. Wir unterhalten uns, sprechen über die nachfolgende Bestrahlung, die Blockade der Hormonbildung, auch über die Operation der Eierstöcke. Nach und nach bekomme ich eine deutlichere Vorstellung für meinen weiteren Behandlungsweg. Gegen die Übelkeit erhalte ich noch eine zusätzliche Infusion sowie Tabletten (Emend), Tropfen (MCP) und Zäpfchen (VomexA) für zu Hause. Über dieses einfühlsame Gespräch habe ich mich sehr gefreut.
Andreas "genießt" mit mir Tropfen für Tropfen aus der letzten Infusionsflasche. Gemeinsam überrumpelt uns die Übelkeit. Der Port wird versiegelt. Schwester M. kümmert sich fürsorglich um uns. Ich komme nicht so richtig auf die Beine und brauche jetzt sofort die Brechschale. Da sind die fünf Möhren wieder und mir ist immer noch so schlecht. Schwester M. bietet mir die Nacht im Krankenhaus an, doch Andreas und ich benötigen unbedingt frische Luft. Langsam verlassen wir das Krankenhaus. Die letzte Chemotherapiegabe ist überstanden, warten wir, was der Abend, die Nacht und die nächsten Tage bringen.

Zweiter Versuch! Ich kann nicht mehr schlafen, im Traum sagte man mir gerade, dass ich jetzt gehen soll. Träume - ich träume, träume, träume. Angeblich träumt man in jeder Nacht, doch viele Traumgeschehen hatte ich am nächsten Tag schon wieder vergessen. Seit der Chemotherapie verarbeite ich "träumerisch" mein bisheriges Leben und kann am Morgen die Traumerlebnisse in Einzelheiten nacherzählen. Einige habe ich auf Zettel kurz notiert, andere werde ich nie vergessen und wenn ich dann einmal Zeit und Lust habe, schreibe ich sie alle in mein Traumbuch (I. hat mir eine sehr schönes Exemplar am Anfang meiner Krebserkrankung geschenkt). Jetzt bin ich froh, dass ich wach bin, ich will sehr munter sein - endlich. Den Zeitpunkt kann Andreas allerdings nicht verstehen. Da muss er durch, denn diesmal lag ich lang genug im Bett.
Nachdem Felix am Freitag fahren musste, hatte ich das Wochenende und den Montag noch, um mich auf die letzte Chemotherapie vorzubereiten. Es ist immer wie ein langgezogener Count-down. Man möchte die meist unbeschwerte Zeit auskosten, noch etwas erleben, sich wohl fühlen und aktiv sein. Ich habe ausgiebige Spaziergänge unternommen, viel gelesen, dann auch gebührend gegessen, mit Bekannten gefeiert, telefoniert, einige Mails geschrieben - mich bewusst für die nächste Zeit von all diesen Tätigkeiten verabschiedet.
Am Montag musste ich noch einmal ins Labor ( Hb 7.2 / Leuko 2.7 / Thrombo 322(?) ), obwohl sich bis Dienstag an den Werten bestimmt nicht viel ändern wird. Wenn die Rechnungen aus dem Labor kommen, schüttele ich den Kopf. In der letzten Woche sind drei Briefe mit je drei weißen Bögen Papier (Rechnung, Duplikat, Zahlungsanweisung) über einen Betrag von 3,62 € gekommen. Kann man hier nicht ökonomischer arbeiten? Ich bin Krebspatienten, muss im Monat 5-6 - mal ins Labor, um die Blutwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen, eine Sammelrechnung würde Geld sparen. Oder spricht man bei einer Krebsbehandlung nicht über Einsparungen? Jedenfalls nicht über so kleine Beträge. Wenn die Chemotherapie abgeschlossen ist, ich alle Rechnungen bekommen habe, dann bin ich auf den Endbetrag gespannt.
Unterbrechung!
Ich muss sofort ins Bett, mir ist sooooooo übel.

Ich möchte versuchen, meine Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben. Leider ist es noch nicht so weit, denn mir ist schon wieder schlecht. Vielleicht morgen. Der Geduld geht es nicht besser.

Ich bin so traurig. Felix muss heute wieder fahren und Abschied nehmen ist erdrückend. Mein Herz tut weh, der Hals wie zugeschnürt und Tränen stehen mir ständig in den Augen. Ich bin einfach seelenwund - der See ohne Abfluss läuft über. Dabei sind die Worte von Immanuel Kant so wahr:
Leuchtende Tage - weine nicht, dass sie vorüber, sondern lächle, dass sie gewesen.
Felix schläft noch.
Ich wasche, bügele und flicke die Sachen, suche Kleinigkeiten zusammen und verarbeite meine Traurigkeit, nehme mit jedem Stück ein wenig Abschied. Lieber jetzt, damit es mich am Nachmittag nicht so überwältigt. Es tut so verdammt weh!

Ich wünsche mir Zeit (Ich wünsche dir Zeit) - ich habe jetzt Zeit! Darum diese fünf Tage Schreibpause. Viele Ereignisse waren in diesen Tagen bedeutsam, für die ich mir Zeit nahm. Wir waren bei lieben Freunden zu besuch, Freunde waren bei uns und ich habe E., eine liebe Freundin, im Volkshaus getroffen. "Gute Freunde sind ideal für unsere Gesundheit." (Dr. Irwin Sarason) Ja, dies stimmt wirklich. Ich genieße diese unbeschwerte Atmosphäre, das Quatschen, ihre Fürsorge, gemeinsames Essen und Trinken, unser Dasein - Normalität.
Am Sonntag ist Felix gekommen. Ein Mutterherz freut sich, wenn vierteljährlich das Kind zu Hause ist. Ich war daheim, war präsent und konnte meinen Sohn verwöhnen. Interessant war seine Reaktion auf meine Glatze. Nur seine Augen konnten sprechen: "Ja, Mutti, du bist krank, ich sehe es jetzt auch." Vorsichtig gingen wir miteinander um. So bügelte er seine Sachen selbst, räumte auf, streichelte mir über den Arm, ich durfte ihn drücken und wir führten längere Gespräche, waren gemeinsam in der Stadt. Früher war ich unzufrieden, wenn ich am Abend auf ihn warten musste oder er tagsüber schlief. Ich habe es sehr genossen, zu wissen, dass er im Zimmer nebenan schläft oder spät bzw. früh noch kommt. Er wird an dieser Lebenssituation wachsen, so wie unsere Mutter - Kind - Beziehung auch.
Am Montag war ich beim Hautarzt , denn ich wollte das massenhafte Erscheinen von Leberflecken abklären. 10 Minuten warten - 5 Minuten Untersuchung - 1 Minute Verabschiedung: "Es gibt Zeiten, da treten Leberflecke häufiger auf. Es ist alles o.k.!"
Dienstag ist immer Laborzeit. Die Werte (Hb 6.6 / Leuko 1.8 / Thrombo 141) veranlassten die erneute Untersuchung am Donnerstag (Hb 6.6 / Leuko 2.5 / Thrompo 159). Mit diesen Werten muss ich am Montag zum Test, damit ich dann am Dienstag die letzte Chemotherapie bekommen darf.
Wir haben an zwei Abenden Bewerbungen für das nächste Schuljahr geschrieben. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann hat Andreas das Meiste verfasst. Mir fiel es unheimlich schwer zu formulieren, dass ich eine engagierte schwerbehinderte Lehrerin bin, die sich um eine Stelle in NRW bewirbt.
Oh, das Leben ist eine große Bühne und ich weiß noch nicht, ob ich Schauspieler oder Zuschauer sein möchte.
Mir geht es gut, ich freue mich über die Zeit.
Andreas ist immer für mich da. Ich muss/möchte ihm einen extra Tag widmen!

Ich brauche am Morgen wirklich meine Zeit, um den Tag zu begrüßen und aktiv zu werden. Ob es nun daran liegt, dass ich nicht zwingend aufstehen muss, es am Morgen häufig noch dunkel ist oder mein Kreislauf signalisiert, einstweilen läuft er noch nicht hochtourig. Aus diesen Gründen habe ich eine Kuschellesestunde im Bett entwickelt. Danach kann ich dann entweder eine Stunde Walken oder Joggen oder Gymnastikübungen absolvieren. Manchmal muss ich mich schon überwinden, doch meistens bereitet es mir Freude. Ich kann dann meinen Körper spüren, mich mit ihm unterhalten, anschießend fühle ich mich immer wohler. Entweder runde ich meine sportlichen Betätigungen mit Entspannungsübungen oder dem Sonnengruß ab. Heute ist es die Gymnastik, die mich aufmuntert. Die Haushaltsaktivitäten am Samstag fallen nicht so umfangreich aus, Andreas korrigiert und ich lese. Die Schule, die sonst so wichtig für mich war und einen Großteil meiner Lebenszeit eingenommen hat, rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Wird sie noch mehr an Bedeutung verlieren, je länger ich zu Hause bin? Welchen Stellenwert wird sie einnehmen, wenn ich wieder gesund bin? Andreas ist ein wichtiger Verbindungsmann und auch die Telefonate mit meinen Kollegen sind bedeutsam. Ich bin zurzeit keine aktive Arbeiterin in der großen Fabrik namens Schule, eher eine Beobachterin, die Interesse am Produktionsgeschehen hat, doch nicht eingreifen kann, nach so langer Zeit auch nicht mehr möchte. Wenn ich heute die Aktivitäten von Andreas beobachte, die ja auch meine Aktivitäten vor der Erkrankung waren, dann staune ich, was wir so alles am Tage geschafft haben - schaffen mussten. Hinterfrage ich gerade meinen Beruf? Ja! Ich wollte schon immer Pädagogik studieren und bin auch nach 19 Jahren noch gern Lehrerin. Es ist/war nicht meine tägliche Arbeit, die mich unzufrieden sein lässt, nein, die Schulpolitik gerade in den letzten Jahren. Jeder maßt sich an, in unsere Arbeit reinzureden. Es geht doch gar nicht mehr um die Bildung und Erziehung von Kindern. Der Begriff "Fabrik" ist schon bewusst gewählt- Schule ist ein Insolvenzunternehmen. Bei dieser Kurzsichtigkeit der "Bestimmer" werde ich unheimlich wütend. Gewinne ich der Krankheit etwas positives ab und betrachte meine Arbeitsauszeit als die Möglichkeit, das bisher gelebte Leben zu hinterfragen. Arbeit und darin Bestätigung zu finden, ist sehr wichtig. Sie bildet jedoch nur einen Teil meines Lebensbaumes. Ich stelle mir mein Leben wie einen Baum (darüber werde ich später einmal schreiben) vor, vielleicht liebe ich deswegen die Bäume so. Ein anderes Teilstück des Baumes bin ich selbst. Ich stehe jetzt, bedingt durch die Krankheit, im Mittelpunkt. Ich bin wichtig. Warum? Weil der Krebs wichtig ist, Beachtung fordert. KREBS oder ICH? ICH oder KREBS? Durch den / Mit dem Krebs bin ich erst wichtig. ? NEIN! So darf es überhaupt nicht sein! Wo ist mein Selbstwertgefühl? Damit würde ich ja alle Menschen missachten, für die ich auch ohne Krebs wichtig war und bin. Zum Glück gibt es sie!

Ein Tag mit vielen Erlebnissen, da fehlt mir glatt die Zeit, um darüber nachzudenken, ob es mir gut oder schlecht geht. Also geht es mir gut!
Meine Joggingrunde gestern war ernüchternd. Dass ich nicht in topp Form bin, habe ich gewusst und trotzdem bin ich enttäuscht. Nach nicht all zu langen Laufstrecken musste ich eine Gehpause einlegen. Ich habe nur mit Anstrengung atmen können. Frühling - wenn es doch endlich wärmer werden würde, trockene Wege, dann könnte ich auch kontinuierlicher laufen. Heute kann ich wieder nur im Zimmer herumhopsen.
Gegen Mittag fahren wir zum Einkaufen und dann kommt auch schon K., er wird mit Andreas am Computer arbeiten. Wir sitzen gerade bei einem späten Mittagessen, als es klingelt. Pünktlich, mit vielen gesunden Dingen ( Obst, Wein, Saft, Kuchen, Gemüse) in den Händen, begrüßen uns meine Geschwister, I. und Mutti. Ich freue mich, denn am Nachmittag wollen wir gemeinsam ins Gewandhaus, um uns die Highlights aus weltbekannten Musicals anzusehen. Jetzt geht das Mittagessen in ein lustig quasselndes Kaffee trinken - Kuchen essen über. Diese Stunden genieße ich. Unser letztes Zusammensein waren die anstrengenden Stunden nach der Chemotherapie. Die sind für alle Beteiligten wirklich abschreckend. Mein Bruder verfrachtet alle Frauen ins Auto und fährt in die Stadt. Wir gönnen uns 2 1/2 Stunden Musikvergnügen. Anschließend gehen wir ins Panorama -Restaurant, staunen über den herrlichen Ausblick und krönen unser Beisammensein mit einem leckeren Menü. Alle plaudern ganz ungezwungen, dabei kann ich fast vergessen, dass ich krank bin. Nur ab und zu verrutscht mein Kopftuch. Da ist er wieder - KREBS! Vielleicht ist es ja das letzte Mal, dass wir so zusammen sein können. Denken die anderen das jetzt auch? Mir ist beim Verabschieden ganz elend - wie immer. Eine gute Heimfahrt wünsche ich.
Für mich ist der Tag noch nicht zu Ende. In der MB gibt es einen Ausscheid für junge Musikbands, dort treffe ich Andreas. Wir wollen gemeinsam für die Black Wings die Daumen drücken. Eine interessante Atmosphäre. Wie viele Jahre ist es wohl schon her, dass ich eine vergleichbare Veranstaltung miterlebt und mich nicht so alt gefühlt habe? Es ist unfair und gemein, mit meinen Augen, den Augen einer Krebskranken, in die Augen der jungen Mädchen zu blicken und zu wissen, dass in 15 Jahren bestimmt einige mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert werden. Ich möchte es ihnen sagen - jetzt - sofort, dass sie Achtsam sein sollen. Sie würden es mir verübeln, dass ich ihre Unbekümmertheit untergrabe.
Lärm und Zigarettenqualm vertrage ich im Moment nicht so gut und als Andreas meint, dass wir jetzt gehen können, bin ich nicht böse. Bevor wir nach Hause fahren, gönnen wir uns ein Mövenpickeis. Holunderbeereneis habe ich noch nie im Leben gegessen. Vielleicht sollte man jeden Tag eine Besonderheit erleben.

Meine erste Laufrunde im Schnee, ich möchte es wieder versuchen. Nach den beiden Wander- / Walkingrunden gestern und vorgestern, die schon anstrengend waren, wird das Joggen eine echte Herausforderung. Bange machen gilt nicht, denn es ist die bewährteste Gelegenheit zum Nachdenken.
Das Gespräch mit Frau Dr. Neubauer beschäftigt mich noch, ich muss zu einigen Sachverhalten erst noch eine eigene Einstellung entwickeln. Die Tatsache, dass die Technik, die Geräte, die Apparate das Gewebe darstellen können, allerdings nicht so genau, so eindeutig, dass jeder Radiologe eine 100% Diagnose stellen kann, also die Krebszellen erkennt, beunruhigt mich sehr. Das Entdecken von krankhaften Erscheinungen ist abhängig von der Fähigkeit eines Menschen. Hat er gerade einen guten oder eher einen schlechten Tag. Ich weiß es ja, kann es trotzdem nicht fassen. Die Verantwortung, die Mediziner jeden Tag tragen, muss erdrückend sein - oder eine göttliche Herausforderung. Im Nachhinein muss ich Frau B.M. in der Radiologie sehr dankbar sein, dass sie mich nach der zweiten Mammografie nicht gehen lassen hat, sondern nochmals in meine Kabine kam, ihrem Bauchgefühl vertraute und eine weitere Untersuchung vornahm und danach auf Verdacht (?) die Biopsie durchführte. So wurde zufällig mein Krebs erkannt. Hätte er nicht schon vor einem Jahr aufgespürt werden können? Was wäre anders? Er hätte kein Jahr zum Wachsen gehabt und die Lymphdrüsen wären vielleicht noch nicht befallen und ... . Es ist jetzt müßig darüber nachzudenken. Ich vertrauen nicht mehr blindlings. Auch Ärzte sind Menschen, keine Maschinen und Menschen machen Fehler. Doch in der Medizin können Fehler zum Tode führen. Es wäre genial, wenn alle Mediziner den Patienten ihre 100% Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Dies entbindet uns allerdings nicht von der Eigenverantwortung für unser Leben. Leicht gesagt, nach der Diagnose Krebs habe ich nicht an Selbstverantwortung gedacht. Mit jedem Lebenstag mehr werde ich versuchen, mich im Kampf gegen den Krebs einzubringen. Wünschenswert wäre, wenn Mediziner und Patienten sich gegenseitig respektieren und gemeinsam den Weg ins Leben gehen.

Herzlichen Glückwunsch zum 95. Frauentag!

natur (3)

Schnee, Schnee, Schnee und noch keine Frühlingsboten. Eigentlich sieht es draußen wunderschön aus und diejenigen, die nicht zur Arbeit müssen, sollten den Winter in seiner Schönheit genießen. Ich ziehe meine Wanderschuhe an und bin für eine Stunde im Winterwald verschwunden. Frische Luft, Sonne und Bewegung können meinem Körper nur gut tun. Die Gymnastik verschiebe ich auf trübe Zeiten.
Ich werde noch ein Brot backen, dieses Mal ein süßes, außerdem Joghurt mitnehmen, denn heute Abend ist das Treffen der Selbsthilfegruppe. Um 18.30 Uhr ist der Gesprächskreis mit der Psychologin Frau Piskazeck und gegen 19.30 Uhr eine Diskussionsrunde mit Frau Dr. Neubauer zum Komplex Radiologie. Zuerst muss ich ins Labor, um die Blutwerte zu kontrollieren. Hier wundert man sich über mein spätes Erscheinen, auf der Station war es abgesprochen, doch St. zwickt meinen Finger und erdrückt vorsichtig einige Tropfen Blut (Hb 6,8 / Leuko 2,9 / Thrombo 207) - normal. Ich gehe gleich zur Bibliothek, vielleicht kann ich noch beim Vorbereiten helfen.
Viele neue Gesichter sehe ich in der Runde. Obwohl ich erst zum zweiten Mal hier sitze, fühle ich mich schon ein wenig heimisch. Es ist die liebenswerte Art von A., die alle freundlich empfängt und Berührungsängste gar nicht aufkommen lässt. Frau Piskazeck, die Psychologin, führt durch die ersten Gesprächsrunde. Wir werden aufgefordert von unserer Krankengeschichte und der Kontaktaufnahme zur Selbsthilfegruppe zu erzählen. Ich höre aufmerksam zu und finde,dass wir alle ein ähnliches Schicksal haben. Betroffenheit, Angst und Besorgnis sind in unserem Kreis deutlich zu spüren. Ich weiß nicht, ob dies so beabsichtigt ist / war. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet habe. Wohlgefühlt habe ich mich nicht, obwohl ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu spüren war. Rege Gespräche werden in der Pause geführt und die Atmosphäre wird lockerer.
Frau Dr. Neubauer spricht anschließend über die vielfältige Tätigkeit in der Radiologie und die Schwierigkeiten in der Diagnostik. Viele Fragen werden gestellt, die sie ausführlich, kompetent und zur Zufriedenheit aller beantwortet. Gegen 21.45 Uhr hat jeder dann seine persönlichen Gesprächspartner gefunden und wir tauschen unsere Gedanken aus. Ich spreche noch über meine Homepage und bin ganz schön aufgeregt. A. stellt zum Ansehen den Computer zur Verfügung. Ich würde mich freuen, wenn wir diese Möglichkeit nutzen würden, um engeren Kontakt zu finden. Viele Gedanken und Eindrücke begleiten mich auf den Weg nach Hause. Ich freue mich auf unseren nächsten gemeinsamen SHG-Abend und bestimmt hat jemand Mut, nach dem Lesen des Tagebuches, in das Gästebuch einzuschreiben.

Es ist 6.00 Uhr, Andreas muss aufstehen, ich kann es heute noch nicht. Als er sich um 7.00 Uhr von mir verabschiedet, habe ich tief geschlafen, möchte aber jetzt unbedingt wach bleiben. Ich lese im Buch von Ursula Goldmann-Posch: Der Knoten über meinem Herzen (Lektüreempfehlung). Nach einer Stunde muss ich aufhören. Mir ist sogar im Bett kalt, ich habe Angst, Angst vor meinem Krebs. Ich erinnere mich an die Einleitungsworte: "Dies ist weder ein Trost- noch ein Beruhigungsbuch. Es soll Nebenwirkungen haben." Die hat es, ich muss jetzt sofort aufstehen und mich bewegen. Meine liebe Schwester hat mir zum Gebutstag eine CD mit auserwählten Liedern gebrannt. Jeder Titel ist eine Botschaft, erfasst und nimmt mich auf eine Reise in die Vergangenheit mit. Ich kann tanzen, meine Gedanken treiben von einer Erinnerung zur nächsten. Was haben wir nicht alles gemeinsam erlebt(?) Da waren viele tolle Konzerte, unsere erste Liebe, Motorradfahrten, die Geburten der Kinder, Studienerlebnisse, Disco, Urlaubszeit, Streit und Versöhnung, Feiern, Freunde, Diskussionsnächte. Oh, ich möchte keine Gemeinsamkeit missen, ich brauche dich. Du bist ein Teil meines Lebens!

In dieser Nacht habe ich durchgeschlafen, bis um 7.00 Uhr, ist in den letzten Nächten nicht möglich gewesen. Aufstehen möchte ich derzeit nicht, denn auch Andreas schläft noch. Ich lese und dann rutsche ich kuschelnd auf die andere Seite. Ein angenehmes Gefühl, die Wärme als Geborgenheit zu empfinden. Erst um 9.00 Uhr genießen wir unser schon bekanntes Sonntagsfrühstück und ich esse mit Appetit. Danach unternehmen wir bei Sonnenschein einen laaaaaangen Spaziergang. Frische Luft, Bewegung und wir können zwanglos reden - Zweisamkeit verspüren. Am Nachmittag muss Andreas Stunden vorbereiten und ich arbeite an der Homepage. Über ermunternde Zusprüche zur Gestaltung der Page habe ich mich gefreut. Schön, dass mich der Alltag wieder hat.

Schule, wir fahren in die Schule, denn heute ist bestimmt die beste Gelegenheit. Zum Tag der offenen Tür kann ich dem Schulalltag mit Stress und Hektik entgehen und trotzdem Schulatmosphäre erleben. Eine Möglichkeit, mich persönlich für die lieben mündlichen und schriftlichen Grüße, die Zuwendungen, die Telefonate und das Mitempfinden zu bedanken. Ich bin aufgeregt, es wird viele Fragen geben. Wie werden die Kollegen reagieren und wie begegnen mir die Schüler?
Tuch oder Perücke? Nein, die Perücke hatte ich noch nie auf, mit dem Tuch fühle ich mich sicherer. Sie wird immer ein Fremdkörper bleiben. Andreas hatte schon beim Kauf seine Bedenken geäußert und Recht behalten, sie passt nicht zu mir - nicht zu meiner Natürlichkeit. Die brauche ich in den nächsten Stunden und eine Menge Selbstbewusstsein. Mit gemischten Gefühlen betrete ich meine Schule. Schon im Lehrerzimmer werde ich mit freundlichem "Hallo" begrüßt, Hände schütteln und feste Umarmungen folgen. Ein herrliches Phänomen folgt: "Wie geht es dir?" "Gut siehst du aus!" Ich brauche also nicht zu antworten, möchte ich auch nicht wirklich. Deshalb bin ich nicht hier. Ich möchte nicht erklären, warum man bei einer lebensbedrohlichen Krankheit gut aussehen kann. Unsere gemeinsame Freude, dass ich in der Schule bin, steht im Mittelpunkt.
Bin ich wirklich seit vier Monaten nicht mehr hier gewesen? Ich empfinde mich als Besucher. S. und L., zwei meiner ehemaligen Schülerinnen, stehen in der Tür. Wir drücken uns und plaudern ganz ungezwungen. Ein Gefühl von Wohlsein breitet sich in mir aus und begleitet mich während des Rundganges. Mit viele Kollegen und Schülern komme ich ins Gespräch, auf Grund ihres zugänglichen Verhaltens verliert sich meine Unsicherheit. Schimi ist wieder Schimi. Als ein Schüler mich ganz interessiert fragt, warum ich denn schon so lange nicht mehr in der Schule war, konnte ich mit fester Stimme antworten: "St., ich habe Brustkrebs."
Nach drei Stunden, in denen ich mich wohl fühlte, fahren wir wieder nach Hause. Geschafft bin ich, jedoch innerlich gestärkt. Diese Erfahrungen sind ein bedeutendes Mosaiksteinchen auf dem Weg zur Gesundheit.

Andreas hat es geschafft, ich bin wieder Autobesitzer. Mann oh Mann, war das ein Tag! Für mich nicht so sehr, eher für den Mann. Alles verlief für mich ganz in Ruhe, schön langsam, bitte keine hektischen Bewegungen, denn Übelkeit und Schwindelgefühle bestimmen meine Aktivitäten. Ich war sogar für eine Stunde an der frischen Luft. Mein neues Auto schnupperte nicht nur frische Luft, sondern auch Wind und viel Schnee. Andreas holte aus Sonneberg den KIA Picanto und erkämpfte dann den Heimweg. Bei den Witterungsverhältnissen war es eine echte Herausforderung für Auto und Fahrer. Jetzt bin ich stolz und kann es gar nicht so richtig verstehen, denn eigentlich wollte ich ja gar kein neues Auto. Es war eine Aktivität von Andreas, die seine Zuneigung mir gegenüber zum Ausdruck bringt. Er konnte endlich etwas für mich tun, endlich selbst etwas bewegen. Ich soll Freude empfinden und eine Erleichterung im Umgang mit Alltäglichkeiten (Auto fahren zähle ich dazu). Zufrieden und glücklich betrachten wir am Abend den kleinen Schwarzen. Jetzt freue ich mich und darüber freut sich Andreas.

Da bin ich wieder und freue mich, dass das Schreiben möglich ist. Drei Tage brauche ich nach jeder Chemotherapie, um wieder aktiv im Leben zu stehen.
Am 28.02., gegen 8.00 Uhr saßen wir angespannt im Auto, ich fast nüchtern, denn das Frühstück schmeckte mir schon nicht mehr. Andreas versuchte, mich wenigstens durch ein belangloses Gespräch zu ermuntern - vergebens. Alle Gedanken und Empfindungen drehten (im wahrsten Sinne des Wortes) sich um die Chemotherapie. "Stine, du musst aussteigen!" Andreas weckte mich aus meiner Lethargie. "Noch zweimal, du schaffst es wieder!" Ich muss ja und doch fällt es mir jedes Mal schwerer. Zuerst ins Labor. Nach dem ersten Anstechen lief das Blut nicht genügend - noch ein Piks. Die Werte sind niedrig (Hb 7,2 / Leuko 2,9 / Thrombo 234), doch für die Gabe der Chemotherapie ausreichend. Freundlich empfing mich Schwester M. auf der Station. Das Zimmer 30 sollte mich für mehrere Stunden beherbergen, drei Betten und eine Mittpatientin. Beim EKG war keine Wartezeit, so ging ich gleich zur Bibliothek, um ausgeliehene Bücher abzugeben. Mit A. konnte ich herrlich plaudern über die Therapie, das Leben, die Selbsthilfegruppe und die Homepage. Schnell verging die Zeit und auf der Station warteten sie schon auf mich. Das Anstechen des Portes ist für mich immer sehr schmerzvoll - aushalten. Nun lag ich wieder angeleint im Bett - Tropfen - Tropfen - Tropfen. Tief durchatmen! Zum Lesen hatte ich keine Lust, nachdenken wollte ich. Mittagessen, zum Glück kam A. und wollte mit mir über die Homepage reden. Flaschenwechsel! H. besuchte mich am Nachmittag. Für all ihre Besuche während der Chemotherapie bin ich so dankbar. Zwischenzeitlich rief Andreas an und ich konnte ihm mitteilen, dass es diesmal nicht so lange dauern würde. Schwester M. kümmerte sich sehr intensiv um alle Patientinnen. Mir war schlecht, selbst das tiefe Einatmen half wenig, der Geschmack änderte sich und das Sprechen fiel schwer. Alle Flaschen waren leer, der Port versiegelt und Andreas stand in der Tür. Ich konnte aber nicht aufstehen, mir war so elend. Meine Bettnachbarin meinte, dass ich es der Schwester mitteilen solle. Die Schwester war etwas aufgebracht, ich hätte es schon eher sagen können, denn nun war der Port schon versiegelt. Außerdem müsste sie erst die Ärztin fragen. Es gab Zäpfchen. Ich wollte nur nach Hause. Für den Notfall habe ich immer eine Tüte in der Tasche. Wir fuhren noch am Bahnhof vorbei, dort wartete schon meine liebe Schwester. Ich war so froh, als ich sie sah. Sie blickte allerdings etwas erschrocken. Meine gelbgrüne Gesichtsfarbe war keine aufmunternde Begrüßung. ZUHAUSE! Die Couch mit Wärmedecke und mein weißer Eimer, den ich noch am Abend zweimal benutzte, waren jetzt die besten Freunde. Geschafft - guten Nacht!
01.03. - Andreas musste zur Schule und C. kümmerte sich liebevoll um mich. Beim Wäschebügeln (fünf Stunden) konnten wir uns unterhalten. Wir merkten deutlich, dass wir in den letzten Jahren viel zu wenig Zeit füreinander hatten. Nur wir zwei Schwestern im regen Gedankenaustausch. Auch den Donnerstag (02.03.) verbrachte ich fast ausschließlich auf meinem Lager und freute mich über die leichte Besserung meines Zustandes. Am Mittag konnte ich dann Kartoffelbrei und Spinat essen - C. war begeistert. Drei Tage lang die uneingeschränkte Liebe meiner Schwester zu spüren, war wunderschön. Ich danke ihr dafür.