Der letzte Tag im Wonnemonat Mai - von "Wonne" ist nicht viel zu spüren, die Temperaturen und der ständige Regen sprechen wohl eher für den depressiven November. Das Wetter ist es nicht Wert, dass ich es ständig erwähne, aber es beeinflusst mich mächtig, es ist so grässlich hässlich. Morgen ist meteorologischer Sommeranfang, darauf bin ich gespannt. Im Moment passen meine Gefühle sowieso eher zum Wetter, besser formuliert, das Wetter passt zu meinen Gefühlen. Mit dem Fahrrad kann ich also wieder nicht fahren. Zuerst habe ich einen Termin bei meiner Gynäkologin, sie muss den Krankenschein alle vier Wochen verlängern. Ich nutze die Gelegenheit, um mich nach dem Verlauf der Laparoskopie zu erkundigen. Sie erklärt mir den Eingriff und bestärkt mich in meinen Überlegungen, allerdings ist sie erstaunt über meine Absicht, bereits im August wieder zu arbeiten. Ich solle es mir nochmals überlegen. Ja, dass werde ich, es ist noch von so vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Doch die feste Absicht steht.
Nun muss ich aber zügig fahren, um pünktlich bei der Bestrahlung zu sein. Es regnet und alle Ampeln zeigen natürlich Rot. Durch die Stadt zu fahren ist nach wie vor anstrengend: Baustellen, Umleitungen, viele Autofahrer (bei dem Wetter)..., einen Parkplatz finde ich erst nach zwei Ehrenrunden, in entsprechender Entfernung von der Klink. Es regnet, ich bin nass und haste, doch die Zeit kann ich nicht einholen. Da ich zu spät komme, muss ich warten. Es ist eine willkommene Verschnaufpause. Ich gestalte mir meine Affirmation: Sonne, Sand, es kribbelt auf der Haut. Bevor ich zur Ruhe komme, werde ich in die Kabine gebetet. Jacke, T-Shirt und Tuch lege ich ab, mir ist kalt und um die Wartezeit zu verkürzen, führe ich gymnastische Übungen durch. Gut, dass mich niemand sehen kann, man würde nur mit dem Kopf schütteln. Wie immer sind die Schwestern sehr freundlich und verzeihen mir die Verspätung. Nun muss ich auf den Bestrahlungstisch klettern, um mich dann zurecht schieben zu lassen. Bevor die Schwestern den Raum verlassen, erinnern sie mich noch daran, dass ich anschließend zum Röntgen muss. Mir ist immer noch kalt. Das Bestrahlungsgeräusch surrt und ich denke: Sonne, Sand auf meiner Haut ... Mein nächster Termin wird auf dem Bestellkärtchen vermerkt. Ach ja, der Freitagstermin möchte bitte vorverlegt werden, wir wollen doch nach Düren fahren. Die Schwester wird versuchen eine Änderung zu ermöglichen. Ich marschiere in die Kabine zurück, ziehe mich an und frage bei der Anmeldung nach dem Überweisungsschein sowie dem Gebäude für die Röntgenuntersuchung. Bis zur Liebigstraße ist es nicht weit, das kann ich erlaufen. Bevor ich mich auf den Weg mache, lese ich den Überweisungsschein: Röntgen von zwei Seiten zur Abklärung von eventuellen Metastasen in der Lunge. Ziemlich niedergeschlagen laufe ich durch den Regen bis zum anderen Unigebäude. Ich stecke in einer Untersuchungszwangsjacke, die ich so schnell nicht wollte, die mich verunsichert und einengt. Wie ein begossenen Pudel melde ich mich beim Röntgen an. Warten, Aufruf, ausziehen, warten, in Position stellen, warten, umdrehen, warten, anziehen, warten, verabschieden. Regen, Kälte, Traurigkeit. Erst im Auto merke ich, dass der Kopf schmerzt. Ruhig, ganz ruhig, ich stelle mir Sonne und Sand auf meiner Haut vor, die Musik (CD von Felix) hilft mir beim Entspannen. Auf der Rückfahrt überlege ich mir, dass ich keine Lust habe, bei dem Wetter am Nachmittag zum Einkaufen zu fahren. Da ist es besser, ich erledige es jetzt gleich. Kopf anstrengen und Gedanken bündeln, denn der Einkaufszettel liegt natürlich zu Hause. Am Abend wollen A. und E. zu uns kommen. Was möchte ich anbieten? Was benötige ich alles? Energisch schiebe ich den Einkaufswagen zwischen den Regalen lang. Nicht bummeln, Andreas ist auch bald von der Schule zurück. Ich glaube, ich habe Stress. Es ist aber auch ein Zeichen, dass ich schon wieder ganz gut belastbar bin. Der Einkaufswagen ist gefüllt, ab zum Auto - es regnet - selbst mein Tuch fängt zu tropfen an. Absolut besch... ! Einen Teil des Einkaufes trage ich nur hoch, denn Rest muss Andreas holen. Zum verspäteten Mittagessen wird es Suppe geben, die essen wir beide wirklich gern. Andreas steht schon freudestrahlend in der Tür und begrüßt mich herzlich. Er kann zufrieden sein, denn sein Tagwerk hat er geschafft - ich noch nicht. Beim Löffeln werten wir die erlebten Geschehnisse aus und besprechen den Abend. Er bringt mich wirklich immer zum Lachen. Bevor ich mit den Vorbereitungen beginne, gönne ich mir noch eine erholsame Pause. Dazu bereite ich mir einen Rosentee zu, den mir eine nette Kollegin für besondere Tage geschenkt hat. Heute ist so ein spezieller Tag, darum schreibe ich die Erlebnisse und Empfindungen auch gleich ins Tagebuch. Zwischendurch kann das eine oder andere angerichtet werden.

Absturz - es ist alles verschwunden - ich kann es nicht glauben - wieder einmal nicht gesichert - alles ist weg - dicke Tränen laufen mir über die Wangen - ich bin wütend!

Andreas schaut noch einmal nach, nichts. Dann versucht er mich zu trösten. Oh, ich will nicht getröstet werden, ich leide! Auch das passt zu diesem Tag. Unsere Gäste kommen gleich, ich muss mich beruhigen: Sonne, Sand, Sand auf meiner Haut. Ich freue mich auf einen schönen Abend. Als ob A. und E. es gewusst haben, der Blumenstrauß, den sie mir überreichen, lässt die Sonne im Herzen erstrahlen. Wunderschön! Der Ärger ist für heute Abend vergessen, wir plaudern, essen und trinken. Das Leben ist wie Achterbahn fahren.

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Viel zu früh bin ich munter, bleibe noch liegen und beobachte Andreas beim Schlafen. Er merkt es und rekelt sich, da habe ich ihn wohl wachgeschaut. Ich muss jetzt aufstehen. Was bereitet keinen Lärm und muntert mich auf? Laufen - es regnet mal nicht schon zu so früher Stunde, überdies kann Andreas noch ein wenig rumdrusseln. Nach einer Stunde bin ich wieder da und wir können gemeinsam frühstücken. Auch der Regen ist jetzt munter und fällt gleichförmig vom Himmel. Also muss ich mit dem Auto zur Bestrahlung fahren. Meinen Fotoapparat könnte ich mitnehmen und fragen, ob ich das Bestrahlungsgerät fotografieren darf, schließlich müssen die Sommeraktivitäten noch dokumentiert werden. In der Bestrahlungsklinik werde ich von Dr. M. schon erwartet. Er erkundigt sich nach der gestrigen Ultraschallunteruchung. Ich bin sehr erstaunt, von einer Untersuchung wusste ich nichts. Er meinte, dass wir es besprochen hätten - wir haben definitiv keine Termine vereinbart. Alles klärt sich und ich muss vor der Bestrahlung zu Frau Dr. D., die meinen Bauchraum gründlich untersucht. Auch hier erfrage ich die Notwendigkeit. Alles ist für meine Sicherheit, ich bräuchte mir keine Gedanken machen, sie findet keine Metastasen. Nach all dieser Eindringlichkeit bin ich erst recht besorgt. Die anschließende Bestrahlung überstehe ich und denke sogar an die Fotoaufnahmen.
Später lenkt Andreas mich ab und wir bummeln für die nächsten Stunden durch die Geschäfte. Im Ernährungsforum für Krebskranke habe ich über die positive Wirkung von Aprikosenkernen gelesen, jetzt kann ich sie kaufen und ausprobieren. Sie schmecken wie Mandeln und sehen auch so aus.
Am späten Nachmittag fahre ich ins Elisabeth-Krankenhaus und besuche H.. Es fällt mir schwerer, als ich gedacht hätte. Wieder Krankenhaus, wieder Brustkrebs - meine Erinnerungen sind noch so intensiv, die Zeit konnte noch nicht heilen und das erdrückende Erschrecken verblassen lassen. Ich stecke selbst noch so tief drin. Aber es geht heute nicht um mich. H. braucht jetzt den Zuspruch, den sie mir so oft in letzter Zeit gegeben hat. Man sagt nicht umsonst: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Zum Glück wird G. sie auf diesem Weg begleiten.
Mein Yoga-Kurs am Dienstagabend bringt mir tiefe Entspannung, ich werde mich besinnen und versuchen, die Ereignisse des Tages zu verarbeiten.
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Montag, 10.25 Uhr, eine neue Bestrahlungswoche beginnt. Noch schaut die Sonne zwischen den Wolken hervor, darum kann ich mit dem Fahrrad fahren. Bewegung - Bewegung ist immer gut und tut mir gut!
Es gibt keine Beanstandungen während der Behandlung und ich bin pünktlich, Andreas kommt gegen 12.00 Uhr, zurück. Eigentlich habe ich heute noch nichts leisten müssen, bin aber schon wieder müde und am Abend wollen wir noch mit Kollegen in die NaTo zum Kabarett, also werde ich die Möglichkeit nutzen, um einen erholsamen Mittagsschlaf durchzuführen.
Meine Nachmittagsaufgabe ist die Beantwortung von E-Mails, die ich auf meine Anfrage im INKA-Forum erhielt. Das Internet macht es möglich: Kommunikation, Erfahrungsaustausch, Anteilnahme, Hinweise, Ratschläge ... Ich bin etwas ruhiger, denn die Meinung, dass ich die Tumormarker nicht so ernst nehmen solle, war herauszulesen. Auch einen interessanten Link habe ich so erhalten: www.alternativtherapie.info, natürlich zum sofortigen Nachlesen.
Gegen 18.45 Uhr kommt Andreas von der Bandprobe, leider konnte ich nur einen Teil meines Vorhabens erfüllen. Ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell doch die Zeit vergangen ist.
Den besten Falafel und Halloumi gibt es im Alexandrina, schräg gegenüber der naTo. Wir haben riesigen Appetit und beginnen damit unser Abendprogramm. Anschließend gehen wir in die naTo, dort erwarten wir unsere Kollegen und freuen uns auf:

Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten. »Volumen 4«

»Mies, fies, gut.«
(Süddeutsche Zeitung)
»Bösartig, satirisch, intelligent und einfach tierisch gut!«
(Frankfurter Rundschau)
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Grau-schwarze Wolken überzogen das gesamte Wochenende. Bei kalten Temperaturen regnete es in Strömen und ein starker Wind brauste über die Landschaft. Ausgedehntes Tiefdruckgebiet!
Ich schildere nicht den aktuellen Wetterbericht, nein, ich schreibe von meinen Gefühle und Empfindungen. Beides war konform.
Die Mitteilung über die gestiegenen Tumormarker brachte mich doch ganz schön durcheinander, auch die Internetrecherche änderte wenig daran. Um weitere Auskunft von ebenso Betroffenen zu erhalten, stellte ich den Sachverhalt im INKA - Forum ( www.inkanet.de )vor.
Dies waren nur die grauen Wolken. Schwarz - ganz Schwarz - unheimlich schwarz war es nach dem Anruf von E. Meine mich durch die Krankheit begleitende, mich motivierende, aus Erfahrung berichtende, liebe Freundin H. hat Brustkrebs. Ich kann es nicht fassen. Befinde mich im absoluten Tiefdruckgebiet. Wer ist denn für die Verteilung von Abnormitäten auf dieser Welt zuständig? Hier kennt JEMAND das Wort Gerechtigkeit nicht!
Ich habe meine Krankheit nie hinterfragt. Es gab kein: Warum ich? Ich war jetzt einfach mal an der Reihe. Warum H.? Sie hat ihren Teil schon ertragen!
Am Nachmittag hockten wir wieder zusammen, wie am 5.11.2005 und versuchen uns gegenseitig zur Seite zu stehen.
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H. hat Brustkrebs.
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Meinen Freunden gegenüber habe ich mich heute für ein paar Stunden ohne Kopftuch gezeigt. Das Wachsen der Haare interessierte sie und nach kurzer Überlegung präsentierte ich dann meine grau-schwarz-blonde Stoppelpracht. Es war lustig - alle wollten mir die Haare kraulen. Der Vergleich mit einem Babykopf (Baby war auch anwesend) hinkt allerdings, da das Gesicht nicht passend ist. Ich konnte jedoch ihre Zuneigung und Behutsamkeit beim Streicheln spüren.
Noch muss der Wachstumsprozess stetig fortschreiten, damit ich im Sommer dann nur mein Haar tragen kann.
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Heute ist Männertag - den ganzen Tag!
Na da will ich doch den Mann / meinen Mann verwöhnen. Ganz so datumsverbunden ist es für uns nicht. Nur weil gerade laut Kalender ein "besonderer" Tag ist, müssen wir nicht auch besonders handeln. Wir sollten immer sehr aufmerksam miteinander umgehen. Ich freue mich dennoch, wenn es an speziellen Tag Überraschungen gibt. Es ist doch etwas wunderbares, den Partner auch nach Jahren noch zu verblüffen, ihm zu zeigen, dass man sich über seine Freude freuen kann.
Heute ist auch ein Tag für mich zum Nachdenken über Andreas.
Mehr als ein halbes Jahr erträgt / trägt er meine Krankheit / meinen Krebs mit. Ohne ihn wäre ich nicht so, wie ich jetzt und was ich jetzt bin.
Er ist ein Stein in meinem Leben und meine Spur im Sand.
Von Anfang an (1.11.2005) hatte ich einen Mitstreiter gegen die Krankheit und einen Mitkämpfer für die Gesundheit. Er ist immer für mich da! Andreas hat mich jeden Tag im Krankenhaus besucht, hat mich zu jeder Chemotherapie gefahren und wieder abgeholt, an Arztgesprächen teilgenommen, mich gepflegt und umsorgt, wenn nichts allein mehr ging, stundenlang am Bett gesessen, die Verbindung zur Familie, zu Freunden und Bekannten gehalten, unendlich langsame und lange Spaziergänge unternommen, mich zum Lachen gebracht, als mir zum Heulen war, mich in die Schranken verwiesen, wenn die Informationen über Krebs mich erdrückten, für Abwechslung gesorgt, meine Lieblingsgerichte mit gegessen, mich getröstet, neue Ziele gestellt, z.B. das Erstellen der Homepage, stundenlang über das Leben diskutiert, die Glatze geküsst, mein Selbstwertgefühl gepuscht, mich geliebt, mit mir gestritten, um mir seine Sorgen zu verdeutlichen, das Auto und den Computer gekauft, damit ich es leichter habe, gemeinsam mit mir geweint, an der Verwirklichung unseres Lebenstraumes gearbeitet, mich angespornt und motiviert die Bewerbung in NRW durchzusetzen, nicht einen Zentimeter zugelassen, der mit dem Aufgeben zu tun hat, mir verdeutlicht, dass ich immer ich sein darf / muss.
Danke!
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Ich mache mir ernsthafte Gedanken. Was ist denn nun wieder nicht in Ordnung? Dr. M. erklärte mir in den letzten beiden Tagen wiederholt, dass die Blutwerte nicht gut seien und die Tumormarker wären auch viel zu hoch. Natürlich müsse ich mir keine Sorgen machen, doch es solle abgeklärt werden. Außerdem seien die Untersuchungen von Bauchraum, Lunge und Skelett bereits im November letzten Jahres gewesen. Was versucht man mir so umständlich zu erklären? Besteht der Verdacht auf Metastasen? Ich konnte diese Frage so direkt nicht stellen. Vielleicht schaffe ich es beim nächsten Gespräch. Die nächsten Untersuchungen werde ich abwarten müssen.
Ich werde mich wieder informieren müssen, ich werde wieder lesen, ich werde mich wieder mit meinem Krebs auseinandersetzen. Die Zeit, in der ich mich nicht so intensiv mit Krebs beschäftigt, in der ich einfach nur gelebt habe, war viel zu kurz.

Was sagen denn erhöhte Tumormarker aus?

"Dank molekularbiologischer Krebsforschung lassen sich im Blut von Krebspatienten zahlreiche Stoffe nachweisen, die die Tumorzellen selbst bilden oder deren Bildung sie anregen. Wissenschaftler und Ärzte setzten lange Zeit große Hoffnungen darauf, für jede Krebsart eine charakteristische Substanz zu finden, deren erhöhtes Auftreten in Körperflüssigkeiten eindeutig und früher als andere Untersuchungsmethoden auf einen neu entstehenden oder wieder auftretenden Tumor hinweist. Diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Internationale Experten schätzen den Stellenwert von Tumormarkern heute nicht mehr so hoch ein. Die meisten Marker sind eben doch nicht spezifisch für eine bestimmte Erkrankung. Deshalb eignen sie sich auch nicht zur sicheren Diagnosestellung geschweige denn zur Früherkennung. Auch können aus der Höhe der Tumormarkerwerte keine Rückschlüsse auf die Tumorausdehnung oder die Tumormasse gezogen werden. In den aktuellen Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft zur Krebsbehandlung spielt der Nachweis von Tumormarkern auch zur Therapiebegleitung und Verlaufskontrolle nur noch bei wenigen Krebsarten eine Rolle."
www.krebsinformationsdienst.de/Fragen_und_Antworten/tumormarker.html

Ich bin beunruhigt!
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Eine neue Woche beginnt. Es ist die 10. Bestrahlung und ein Arzt wird mich heute untersuchen. Nach der Bestrahlung, die schon fast Routine geworden ist, erscheint Dr. M. in meiner Kabine. Freundlich erkundigt er sich nach meinem Befinden und ob ich irgendwelche Fragen hätte. Da ich noch nicht angezogen bin, kann ich ihm die zwei verhärteten Stellen an meiner rechten Brust zeigen. Nach dem Abtasten entschied er, dass alles o.k. sei. Es könnten Vernarbungen sein. Sonst sieht die Haut des Bestrahlungsfeldes sehr gut aus. Wir sind beide zufrieden und ich kann mich nach dem weiteren Bestrahlungsverlauf erkundigen. Es folgen noch 18 Bestrahlungen, danach weitere 8 mit einer anderen Intensität, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Entweder gleich anschließend von außen oder mit einer Woche Pause von innen. Ein Gespräch mit Frau Dr. Kunze zu einem späteren Zeitpunkt würde Klärung versprechen. Ich solle morgen noch einmal ins Labor, um die Blutwerte, die noch nicht einwandfrei waren, kontrollieren zu lassen.
Über alle Gesprächspunkte bin ich froh, so kann ich am Nachmittag einige neue Termine planen: Zahnarzt, Gynäkologie, Laparoskopie, Amtsarzt.
Zum Lesen oder Schreiben am Abend habe ich keine Lust, da darf es auch mal ein Fernsehfilm sein.
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Das Familiendasein beginnt meistens am frühen Morgen - also raus aus den Federn. Andreas, J. und R. fahren zum Fußballspiel von J., C. und ich zu meinen Eltern. Am Mittag treffen wir uns noch bei meinem Bruder und dann düsen wir wieder nach Leipzig. Der Kofferraum ist mit selbst hergestellten Dingen sowie Blumen und unsere Herzen mit viel Liebe gefüllt. Ich bin oft hin und her gerissen zwischen diesen beiden Seiten meines Lebens.
Am Nachmittag kommt die F.-Familie zu Besuch, wir wollen u.a. die Gestaltung des Männertages absprechen. Somit vergeht ein schönes Wochenende wieder viel zu schnell.
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Ein Bestrahlungssamstag, denn sonst ist das Wochenende bestrahlungsfrei. Also fahre ich am Vormittag mit dem Rad zur Uni-Klinik, alles verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Wieder Zuhause werden Sachen gepackt, denn am Nachmittag wollen wir nach Oschersleben zum Geburtstag von J. fahren. Ich freue mich auf die gesamte Großfamilie, auf ihre Herzlichkeit, ihre Normalität, ihre Fröhlichkeit, ihre Sorgen - eben auf unser Zusammensein. Drei Generationen bilden diese Familie, die immer für mich da ist. Zu meinem Leben gehört diese Familie. Ohne diesen Teil meines Lebens könnte ich mir mein Dasein gar nicht vorstellen.

Familie ist, von ihrem Ur-Sinn her, Geborgenheit. Bedingungslose Geborgenheit, solange sie intakt ist.
Familie ist Schutz für Leben und Schutz für menschenwürdiges Sterben.
Familie ist Nachsicht gegenüber der Jugend und Rücksicht gegenüber dem Alter.
Familie ist das Wissen, einen unverlierbaren Platz auf dieser Welt zu haben, an dem man immer willkommen ist, sei man Bettler oder Millionär. (E. Lukas)

Um mit den Worten meiner Eltern zu sprechen: "Für euch steht unsere Tür immer offen, egal zu welcher Zeit ihr kommt!"
Ich weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Alle "Kinderfamilienmitglieder" haben von dem Angebot schon profitiert.
In leutseliger Runde sitzen wir zusammen und jeder kann so sein, wie er es gern möchte. Es wird ein langer Abend werden, ich fühle mich wohl und wir werden bei meiner Schwester schlafen.
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Mein erstes Patientenforum "Brustkrebs" im St. Elisabeth - Krankenhaus.
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Alles trifft genau zu. Ein Forum wie für mich persönlich zugeschnitten. Doch ich befinde mich in einem Kreis von vielen, sehr vielen Interessierten, Betroffenen, Engagierten, Wissbegierigen, Helfenden, Neugierigen, Ärztinnen, Schwestern, Patientinnen, ...
Mit so vielen Menschen auf engem Raum hätte ich nicht gerechnet. I., eine Bekannte und ich bahnen sich den Weg durch die Massen. Es ist eine fantastische Atmosphäre - es geht so viel Kraft und Dynamik von allen Anwesenden aus, ein Zusammengehörigkeitsgefühl, welches Sicherheit birgt, überträgt sich. Beruhigend, dass ich jetzt bekannte Gesichter erkenne. Nicht nur Gesichter von den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe, nein, auch die mir wohl bekannten Gesichter der Schwestern und Ärztinnen der Station 10. Frau Dr. Langanke versucht viele Besucher persönlich zu begrüßen. Eine liebenswürdige Geste, die uns Krebskranken verdeutlicht, dass wir nicht nur eine Nummer im medizinischen Alltag sind, sondern im Moment sehr empfindsame Persönlichkeiten. Stark frequentiert werden die Informationsstände im Foyer, auch ich nehme mir Lesematerial, ein "Drückerherz" und Magnete mit. Nun aber schnell in den Vortragsraum, denn fast alle Plätze sind schon besetzt. Die Idee haben andere auch, die Stühle reichen nicht, es werden noch welche organisiert und in den hinteren Teil des Raumes gestellt. Gegen 17.10 Uhr eröffnet Frau Dr. Langanke das 4. Brustkrebspatientinnenforum. Sie spricht über die Anwendung von Aromatasehemmer. Ein für mich sehr interessantes Thema, da ich schon vor einiger Zeit bei Frau Dr. L. um Auskunft bat, ob diese Medikamente auch für mich infrage kämen. Anschließend spricht Prof. Dr. med. R. Schwarz zum Thema Fatique. Ausführlich stellt er uns die Abteilung Sozialmedizin der Uni Leipzig vor, kommt dann aber auch noch zum angekündigten Sachverhalt. Im Moment leide ich noch nicht unter der scheinbar unbeeinflussbaren Erschöpfung: Fatique. Ich bin zwar sehr häufig müde und immer noch sehr langsam, doch bis jetzt ziehe ich mich wie Münchhausen immer am eigenen Schopf wieder heraus, versuche durch Aktivität "wach" zu bleiben. Die Pause ist ersehnt und im Programm steht mit Imbiss. Imbiss ist untertrieben, es erwartet uns ein liebevoll angerichtetes Büfett und eine große Auswahl an Säften. Alle geben sich sehr viel Mühe und ich bin beeindruckt, nur zum Essen komme ich nicht, denn jetzt können wir alle miteinander so richtig quatschen. Eine Zimmerkollegin von der ersten Chemotherapie treffe ich auch wieder. Schon zu diesem Zeitpunkt ist das Forum für mich ein voller Erfolg, aber wir dürfen noch auf das Improvisationstheater gespannt sein. Wir alle, die zum Zuschauen geblieben sind, haben eine weitere Stunde lang Spaß und amüsieren sich köstlich. Eine tolle Idee - ein insgesamt gelungener Abend - zufriedene Patientinnen.
Doch ausgequatscht haben wir uns noch nicht. I. und ich fahren ins Volkshaus und lassen bei einem Glas Wein die Eindrücke Revue passieren.
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Ich habe mir zwei Tage Zeit gelassen, um zu sehen, wie sich mein Tagesablauf gestaltet. So ganz zufrieden bin ich noch nicht. Die Eckpfeiler des Zaunes sind gesetzt, nun müssen Zaunlatten und Zwischenräume ein harmonisches Gebilde abgeben.
Gegen 6.00 Uhr stehen wir auf (ab 4.30 Uhr bin ich meistens munter), Frühstück (Tee, Obst, Müsli), "Hausarbeit" (Aufräumen, Wäsche...), Joggingrunde oder Gymnastik (je nach Wetterlage), Körperpflege (dauert doppelt so lange), Anziehen (Was passt zu welchem Tuch?), E-Mail-Check (erst einmal nur lesen), 10.30 Uhr Bestrahlung (Fahrrad oder Auto - wetterabhängig), Einkaufen / Stadtbummel / Termin (gut, wenn es Freude bereitet), Computerarbeit (lesen, schreiben, informieren), Mittagessen (15.00 Uhr) vorbereiten (häufig verfeinerte Beutelsuppe - schmeckt uns beiden), 3 h Freizeit (Zeit für wichtige Aufgaben oder für mich, z.B. Freunde treffen), zwischen 19.00 und 20.00 Uhr Abendbrot (Salat / Gemüsepfanne), Abendgestaltung (gemeinsam, interessant).
Mir geht es wirklich gut. So werde ich mir für jeden Tag eine Herausforderung, eine Aufgabe, etwas Besonderes suchen.
Ich glaube, die Zeit, die ich jetzt für mich nutzen kann, werde ich dann ganz lange nicht mehr zur Verfügung haben. Es ist bestimmt die kostbarste Zeit während der Krankschreibung.
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Muttertag
Ich kenne die Worte gut: Erst wenn man selbst Mutter ist, kann man verstehen, was einem die Mutter bedeutet.
Seit fast 19 Jahren bin ich Mutter und mein Kind hat heute am Morgen angerufen, an mich gedacht und zum Ausdruck gebracht, dass ich wichtig für ihn bin, dass er mich lieb hat. Eine wohltuende Wärme steigt aus dem Bauch auf und breitet sich über den ganzen Körper aus. Mein Kind / Ein Kind schafft es, dass ich / man lachen und weinen gleichzeitig könnte.
Doch ich bin noch nicht lang genug Mutter, um weitere Gedanken über mich zu schreiben. Meine Gedanken gelten meiner Mutter.
Mutter ist man immer, 24 Stunden pro Tag, sieben Tage pro Woche - immer. Meine Mutsch ist noch mehr! Für mich ist sie eine Freundin, Gefährtin, Vertraute, Zuhörerin, Ratgeberin und Partnerin. Auch wenn uns ein besonderes Mutter-Tochter-Band verbindet, so möchte ich meinen Vater mit einbeziehen.
Meine Eltern sind immer für mich da, würden mir immer helfen, immer zu mir stehen und mich unterstützen - es ist eine bedingungslose Liebe. Sie leben täglich diese Liebe zu ihren Kindern. Ich danke ihnen für dieses tiefe Gefühl, welches sie uns vermittelt haben und möchte es als Mutter an mein Kind weitergeben.

"Mütter halten ihrer Kinder Hände für eine Weile und ihr Herz für immer!" (unbekannt)

Sie leiden unter meiner Krankheit sehr, weil sie meinen, dass sie mir nicht helfen können. Doch sie haben schon so viel für mich getan und tun es immer noch. Sie lieben mich und haben mir gezeigt:
Man muss das Leben lieben, um es zu leben; und man muss das Leben leben, um es zu lieben.

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Dieses Wochenende erhält einen besonderen Titel: Korrekturwochenende!
Für mich gilt dies ja gar nicht, ich bin eigentlich nur "mit". Andreas hat die Abituraufsätze zu Hause und muss korrigieren. Doch wenn man als fürsorgliche Frau auch nur "mit" ist, so wird es eine rundum Betreuung geben. Mahlzeiten anrichten, für Ruhe sorgen, Prellbock sein, Korrekturlesen der Korrektur, Pausen gestalten, Anrufe entgegennehmen, gemeinsame Entspannungsspaziergänge unternehmen, sich auch mal in Luft auflösen, immer als Ansprechpartner vorhanden sein.... Es wird mir Spaß bereiten (ehrlich) und gleichzeitig eine Bereicherung sein.
" ... sich auch mal in Luft auflösen" gefiel mir am besten, so bin ich für zwei Stunden mit D. in der Stadt gewesen. Erst haben wir in verschiedenen Geschäften uns umgesehen und dann ein beschauliches Plätzchen im Barfußgässchen zum Quatschen und Milchkaffee trinken gefunden. Zufällig kamen Y. und J. noch dazu, diese gemütliche Runde wollten wir natürlich nicht gleich wieder aufgeben. Voller Elan konnte ich mich dann später meinen häuslichen Pflichten und Aufgaben zuwenden.
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Gestern habe ich den Labortermin völlig vergessen, heute wird er abgearbeitet. Andreas wird zur Bestrahlung mitkommen und so habe ich dann auch die nötige Unterstützung, weil das Spülen des Ports unangenehm ist. Das Wetter zeigt sich nach wie vor von seiner sonnigen Seite und mit dem Fahrrad ist der Bestrahlungslaborporttermin ein auszuhaltendes Unternehmen. Am Morgen habe ich mit K. telefoniert, wir wollen uns zur Mittagszeit in der Suppenbar treffen. Also wirklich alles gute Aussichten, dann fahren wir mal los.
Die Bestrahlungsschwestern begrüßen mich und fragen nach, warum ich denn gestern so schnell verschwunden war, die Oberärztin wollte mich doch noch sprechen. Ich verspreche, heute alles nachzuholen. Nach der Bestrahlung suche ich Frau Dr. Kunze auf, wir reden miteinander und sie überwacht auch die Portspülung. Ich habe alles überstanden, wir wünschen uns ein angenehmes Wochenende und ich bin froh, dass keine Bestrahlungen sind. Es ist erst der Anfang. Bis jetzt vertrage ich alles sehr gut. Auf das Waschen bzw. "Brustnichtwaschen" kann ich mich gut einstellen und die Blaufärbung der T-Shirtinnenseite wird sich bestimmt wieder rauswaschen. Immer positiv denken.
Pünktlich sind wir in der Münzgasse, sitzen in der Sonne, blättern in der Zeitung und freuen uns auf K. So angenehm kann ein Freitagmittag sein, wenn man nicht zur Arbeit muss. K. kommt und für zwei Stunden beginnt ein reger Gedankenaustausch. Natürlich wird auch das Probieren der verschiedenen Suppen nicht vergessen. Die spontanen Aktivitäten mit Bekannten werden mir ab August sehr fehlen.
Den Abend verbringen Andreas und ich bei angenehmen Temperaturen auf dem Balkon und wir führen miteinander lange Gespräche über die Zukunft.
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Eigentlich habe ich keine Lust auf einen Arztbesuch, dazu kommt noch, dass Andreas nicht gerade sehr euphorisch von seinem Amtsarztbesuch gesprochen hat. Was sein muss, muss sein und wir haben gestern ausführlich darüber diskutiert.
Den Impfausweis habe ich natürlich gefunden. Meinen Brustkrebsordner mit allen Befunden unter dem Arm und auch optimistisch fahre ich in die Gustav-Mahler-Straße. Die Schwestern sind freundlich und schnell kommen wir ins Gespräch, Andreas hatte mich gestern schon avisiert. Zuerst fülle ich einen Anamnesebogen aus, Blut - und Urinuntersuchung folgen, Sehkontrolle, Hörtest, Gewicht und Größe werden erfasst, außerdem kopiert die Schwester alle Befunde. Nun muss ich warten, bevor ich bei Frau Dr. Hahn vorstellig werden kann. Die Zeit drängt schon, denn um 10.45 Uhr soll ich zur Bestrahlung. Endlich werde ich aufgerufen. Mit dem Bericht über meine Krankheit beginnt der zweite Teil der Untersuchung. Dann wird mein körperlicher Zustand - jeder Quadratzentimeter gründlichst begutachtet, Reaktionen getestet und nach Abnormitäten gesucht. Es ist soweit alles o.k. Da Frau Dr. H. nicht hellsehen kann und auch kein Prophet ist, möchte sie von Frau Dr. Langanke wissen, wie gesund bzw. krank ich bin. Die beiden Frau Doktorinnen einigen sich dahingehend, dass ich die Bestrahlung abschließen muss und in 2-3 Monaten nochmals durch Frau Dr. L. untersucht werde, sie einen Bericht für Frau Dr. H. erstellt und sie später mich nochmals untersucht, um eine Entscheidung zu treffen, ob ich dann gesund bzw. krank bin und dementsprechend verbeamtet werden kann oder nicht. Ich kann dies verstehen, habe allerdings keine drei Monate Zeit und würde eine sofortige Lösung begrüßen. Wir kommen zu keiner klaren Übereinkunft, doch ich solle erst einmal die 45 € für diese Untersuchung bezahlen. Nach der Bestrahlung kann ich mich dann um einen neuen Untersuchungstermin kümmern. Ich bin leicht verwirrt, jedoch nach zweieinhalb Stunden froh, in meinem Auto zu sitzen. Leider war der Bestrahlungstermin vor einer Stunde. Nun aber hurtig. Zum Glück finde ich einen Parkplatz und kann im Eiltempo die Strahlenklinik aufsuchen. Mir ist es unheimlich peinlich, den zweiten Bestrahlungstermin nicht pünktlich einzuhalten. Die Schwestern zeigen Verständnis und beruhigen mich sogar, denn ich muss bewegungslos in den nächsten Minuten auf dem Tisch liegen. Alles funktioniert - ich auch. Nun möchte ich nur noch nach Hause, keinen Ärzten und Schwestern, auch wenn sie noch so nett sind, begegnen.
Unser Abendspaziergang bringt die notwendige Ruhe.
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Der erster Bestrahlungstag.
Meine Gedanken kreisen hauptsächlich um diesen Punkt, obwohl ich auch an Andreas denke, der heute zum Amtsarzt muss. Er wird sicher ausführlich berichten, dann kann ich mich auf meinen Besuch morgen einstellen.
Andreas ruft vom Arzt aus an und meint, dass mein Termin verlegt worden ist, ich solle auch heute schon vorstellig werden. Warum dieser Anruf bei mir Panik auslöst, kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde gar nichts und auch mich nicht zurecht. Mein Impfausweis ist spurlos verschwunden! Wo befindet sich die Straße? Was sollte ich mitbringen? Wann muss ich zur Bestrahlung? Was ziehe ich an?
Andreas ruft wieder an. Entwarnung! Mein Termin ist wie vereinbart erst morgen. Tief durchatmen - ich sitze in der Sonne auf dem Balkon. Ruhe - nur Bestrahlung - am Nachmittag kommen A., G. und S. zu Besuch - alles ganz easy!
Ich fahre mit dem Rad zur Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie in die Stephanstraße. Bei schönem Wetter ein erholsame Fahrradstrecke, am Wasser entlang, durch den Clara-Park, zum Zentrum, an der Bibo vorbei und weiter durch die Brüderstraße. Schon bin ich da und suche den Wartebereich 1. Eine freundliche Schwester nimmt mich in Empfang, zeigt mir die Kabine, erklärt mir den Ablauf der Bestrahlung und beantwortet geduldig meine Fragen. Wieder liege ich auf dem Tisch, wie an allen folgenden Tagen, die Arme über den Kopf - rechts greift links - ruhig atmen. Mein Körper wird in die richtige Position gerückt, bis die Markierungen übereinstimmen. Die Schwestern meinen, dass es gar nicht so einfach bei mir ist, da sich Knochen schlecht verschieben lassen. Fettgewebe ließe sich leichter positionieren. Na, da müssen wir eben geduldig sein, denn ich habe nicht die Absicht, in den nächsten fünf Wochen Fettgewebe aufzubauen. Wir schmunzeln. Kurz ist die Bestrahlung und nur ein knatterndes Geräusch verweist auf Gy-Aktivität. Frau Dr. Kunze schaut noch nach mir und erkundigt sich, ob alles o.k. wäre. Ja! Weitere Fragen! Wann ich das letzte Mal im Labor war, wann habe ich den Port gespült? Eine Überraschung folgt der nächsten. Wieder Blut abnehmen und den Port spülen - das ist gruselig. Schade, dass niemand mich darauf vorbereitet hat. Jetzt kommt es zu plötzlich. Mit uns Patientinnen muss ausführlicher geredet werden, der Verlauf der einzelnen Etappen sollte klar dargelegt sein. Für mich reicht eben nicht ein grober Behandlungsplan, nein, genaue Zeiten (Datum), wann etwas vonstatten geht. Die enge Zusammenarbeit, der an der Therapie involvierten Ärzte/Einrichtungen, muss ich erkennen können. All diese Pläne, die für jeden Patienten speziell zugeschnitten sind, könnten in den Brustkrebsordner, der genial ist. Die Unsicherheit würde nicht so gravierend sein, jeder könnte sich auf folgende Behandlungsetappen einstellen. Für mich steht fest: Heute nicht, ich verschiebe die Unannehmlichkeiten auf morgen. Gut, dass ich jetzt Fahrrad fahren und alle lästigen Gedanken wegstrampeln kann.
Zuhause angekommen - ich schaffe noch einige vorbereitende Handgriffe und dann klingelt es schon. Die nächsten Stunden werden amüsanter sein.
Vier Frauen sitzen in der Sonne auf dem Balkon, plaudern ,trinken, essen Hefeklöße mit Brombeeren und Eis - alles ist sehr angenehm und bereitet Freude. Andreas kommt hinzu und reit sich in unseren Gesprächskreis ein. Gegen 17.00 Uhr, unsere Gäste haben sich gerade verabschiedet, sind wir beide so aufgekratzt, dass wir noch einmal mit den Rädern in die Stadt fahren. Wir werden uns mitten in den Trubel setzen und einer unserer Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Menschen beobachten.
Vom Balkon aus schauen wir in den Sonnenuntergang, ein sehr turbulenter Tag geht schlafen.
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Das Wetter ist herrlich, am frühen Morgen kitzeln die Sonnenstrahlen mein Gesicht. 4.30 Uhr ich kann nicht mehr schlafen, auch die Vögel sind schon seit einer halben Stunde wach und zwitschern auf den Ästen. Verschwitzt stehe ich auf, dies ist in den letzten Wochen fast immer so, doch diesmal ziehe ich mich nicht um, sondern die Laufsachen an. Ich möchte die Sonne draußen persönlich begrüßen. Es ist ein berauschendes Lebensgefühl, wenn die Natur erwacht. Eigentlich ist es schon zu spät, denn die Vögel sind jetzt munter. Es gibt diese Stunde X: Alles ist ganz still, ganz ruhig - als ob die Zeit stillsteht, nur das Licht "bewegt" sich und enthüllt den neuen Tag.
Ich genieße die Joggingrunde und habe im Moment nicht den Ehrgeiz, mit Macht durchzuhalten. Manchmal bleibe ich auf der Brücke lange stehen, schaue in das schnell dahinfließende Wasser und schicke meine Gedanken mit oder gehe an den Gärten entlang, dort entdecke ich jedes Mal etwas neu Erblühtes. Auch von dieser vertrauten Strecke muss ich mich in acht Wochen trennen. Also genieße ich wirklich jede Joggingrunde und besonders die am Morgen.
Der Tag ist ausgefüllt mit Alltäglichkeiten: Aufräumen, Wäsche sortieren und waschen, zum Einkaufen fahren, auf dem Balkon sitzen und lesen ...
Gegen 17.30 Uhr hole ich D. ab und wir fahren gemeinsam zum Yoga. Eine sehr angenehme Zeit, auf die ich mich jeden Dienstag freue. Zum einen können wir Frauen ausführlich quatschen (vorher/nachher) und zum anderen entspannen Körper und Geist. In acht Wochen ist auch das vorbei.
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Ich bin aufgeregt, da ich mal wieder nicht so richtig weiß, was mich erwartet. Heute begebe ich mich in das "Malstudio" der Uniklinik.
Das schwarze Kreuz zwischen meinen Brüsten (zentraler Vermessungspunkt) ist dank dem Pflaster noch gut erhalten, nun sollen neue Linien gezeichnet werden, die ohne Pflaster vier bis fünf Wochen leuchten müssen.
Hoffentlich bleibt das Wetter sonnig und warm, dann werde ich immer mit dem Fahrrad fahren. Die Anspannung entfällt, da die Bewegung den Stress abbaut.
Im Wartebereich sitzen natürlich nur kranke Menschen, man sieht es ihnen an, dass es ihnen nicht gut geht. Ich fühle mich zurzeit recht wohl, nur an meinem Kopftuch erkennt man, dass ich hierher passe. Dazugehören möchte ich nicht.
Nach einer Dreiviertelstunde werde ich aufgerufen und in die Kabine gebeten. Oberkörper frei und zum Tisch bitte. Da ist Frau Dr. Kunze. Ich freue mich, denn mit ihr lässt es sich herrlich plaudern. Nur im Moment ist es eher schwierig, weil ich ganz still liegen muss. Die riesigen Apparate fahren um mich herum und vermessen alles. Anschließend bekomme ich zuerst auf der linken Seite ein Kreuz und danach werden mehrere lila-schwarze Linien auf der rechten Seite aufgemalt. Nett, es fehlt nur das Signum des Künstlers. Ich bestelle liebe Grüße von früheren Bemalten, erhalte Grüße zurück und nach dem Verhandeln des Zeitpunktes für die erste Bestrahlung, Dienstag werden die Geräte gewartet (oder die Uni-Klinik streikt mit), also Mittwoch, kann ich wieder in die Kabine. Jetzt habe ich noch einen Tag Aufschub für das nächste Event.
Vorsichtig ziehe ich mich an und kann dann wieder nach Hause radeln. Ich habe einen kleinen Bäckerladen entdeckt, hier gibt es leckere Olivenbrotstangen. Wenn Andreas nicht schon zu hungrig war, dann können wir noch gemeinsam zu Mittag essen, wenn auch verspätet. Alle Neuigkeiten werden berichtet und meine "Kriegsbemalung" möchte ich obendrein zeigen.
Gerade weil es mir jetzt gut geht, muss ich mich ab und zu in den Mittelpunkt rücken, denn: "Hallo, noch bin ich krank!?"
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Mit einem Versöhnungskuss auf meine Glatze (stimmt nicht ganz, denn die Haare sprießen) ist der emotionale Abstand beträchtlich geschrumpft.
Eine kleine Geste und eine so große Wirkung. Es ist schwer, über den eigenen Schatten zu springen, auf den anderen, auch ohne Lösung oder Ergebnis, zuzugehen. Die eigene Person nicht so wichtig zu nehmen, weil man spürt, dass der andere traurig ist und man nur gemeinsam die innere Zufriedenheit genießen kann.
Ich empfinde es sehr befreiend, dass DU wieder DA bist.
Wir werden reden müssen - später.
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"Ich öffne dir eine Tür und zeige dir einen neuen Weg, gehen sollst du ihn selbst." (Josef Fattinger)
Unter diesem Leitspruch stand unsere Kräuterwanderung mit der Selbsthilfegruppe in die Dübener Heide.
Constanze Dakshinya Schimmel - Geistige Heilerin (DGH) wird eine Tür für uns öffnen: GEMEINSAM-HEILSAM. Sie meint, dass wir den Schlüssel für die Tür zum "HEIL SEIN" in unseren Händen halten: "Im Erkennen, dass alles, was in unserem Leben geschieht, stets mit uns selbst zu tun hat."
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Ich komme mir wie eine kleine Hexe vor, die ihre Kräuter für den Frühlingstee zusammenstellen soll. Zur Verstärkung habe ich mir meine Hexenfreundin H. mitgenommen. 12 Weiber begeben sich auf die Suche nach heilenden Kräutern. Das Wetter gestaltet sich prächtig, die Sonne scheint, doch es ist nicht zu warm. Gut gelaunt und mit Körbchen, Leinenbeutel sowie Papiertüten bestückt, ziehen wir quatschend über die Wiesen. So verscheuchen wir ja alle Heilkräfte. Wir müssen erst einmal zur Ruhe kommen und dafür eignet sich eine Meditation. Jeder hat einen Platz im Gras gefunden und streckt sich erwartungsvoll aus. Nun können C. beruhigenden Worte uns alle tiefe Entspannung und Ruhe spüren lassen. Nur die Fliege auf meiner Nase ist nervig. Danach sollten wir endlich auf Kräuterschau gehen... Es ist bereits Mittag, da knurrt schon der ein oder andere Magen. Auch gut, wir sitzen ja bereits auf einer Vielzahl von "Kräutern". C. macht uns darauf aufmerksam und hat für jeden grünen Stängel einen wohltuenden Verwendungszweck parat. Doch alle halten sich erst einmal an die mitgebrachten Vorräte. Ein unterhaltsame Picknickatmosphäre breitet sich aus. Jeder erzählt mit jedem, jeder isst von/mit jedem (nur gesunde Sachen). Zum Glück hat B. einen leckeren Apfelkuchen gebacken, der auch bis zum letzten Krümel verputzt wird. Köstlich gestärkt ziehen wir endlich in die Heide. Zwei weitere Stunden pflücken, zupfen, ernten und sammeln wir Schafgarbe, Löwenzahn, Brombeer- Himbeer- Birkenblätter, Brennnesseln, Ackerstiefmütterchen und Sauerampfer. In einem Hand-out, welches C. zusammengestellt hat, lesen wir über Wirkungsweise und Verwendungszweck der Kräuter nach. Viele Fragen werden auch sofort beantwortet. Der Nachmittag vergeht viel zu schnell, nur an meinen müden Beinen merke ich, dass sich der lehrreichen Rundgang schließt. Etwas müde, jedoch entspannt und mundfaul verabschieden wir uns mit der Motivation, alle gesammelten Blätter und Kräuter noch zum Trocknen am Abend auszulegen. Ein herrlicher Tag geht dem Ende zu.
Wir werden alle unseren neuen Weg gehen, eine weitere Tür ist geöffnet worden.
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Wir reden noch nicht miteinander - es belastet mich und ich bin traurig. Ist aber auch ein Stück Normalität. In jeder Beziehung gibt es diese und andere Tage und so holt mich ein Stück Alltag wieder ein.
Am Abend war ich in der Schule zur Talentenacht. Die Freude über ein Wiedersehen mit Kollegen und Schülern ist nach wie vor groß und ich genieße diese Zeit. Staunen kann ich über die Talente der Schüler, in jedem schlummert etwas, manchmal muss es nur geweckt werden. Schön, dass sie ihre Scheu ablegen und uns Lehrern auch eine andere Seite zeigen können. Ein wenig Abschiedsstimmung breitet sich bei mir aus. Es ist die letzte Talentenacht an der Schule, die ich miterlebe.
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Ich komme gerade vom Kosmetikseminar für Krebspatientinnen. Es war eine interessante Veranstaltung im Sankt Georg, welche die gemeinnützige Gesellschaft mbH DKMS LIFE ausrichtete. Immerhin bin ich motiviert, mich häufiger zu schminken, da das Seminar "Krebspatientinnen zu einem lebensbejahenden Umgang mit den Folgen der Krebserkrankung ermutigt". Es gab viele Tipps und wir konnten das Schminken unter Anleitung mit zur Verfügung gestellten Kosmetikprodukten, die wir anschließend mitnehmen durften, an uns selbst ausprobieren.
Jetzt sitze ich in vollendeter Schönheit vor dem Computer, leider merkt es keiner.
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Ich muss zur Computertomografie in die Uniklinik. Da packen wir die nächste große Therapieetappe mal an.
Wie immer, wenn ich nicht weiß, was auf mich zukommt, habe ich ein wenig Angst. Nach längerem Warten werde ich von einer netten Schwester in den Ct-Raum geführt. Zuerst wird ein Foto von meinem Gesicht aufgenommen, damit man (der Computer) mich erkennt, erklärt die Schwester. Danach soll ich mich mit nacktem Oberkörper auf eine bewegliche Liege legen. Gut, dass ich das Handtuch dabei habe. Es ist auch so nicht ganz angenehm, da für jedes Körperteil eine entsprechende "Form" vorhanden ist, um die endgültige Lage einzunehmen. Die Arme sollen über den Kopf abgelegt werden und die Hände ineinander verschränkt (rechts hält links). So, genau so, muss ich auch zur Bestrahlung liegen. Schwarze Kreuze werden auf meinen Oberkörper aufgezeichnet, Metallstreifen über die Narben geklebt - mir ist kalt. Die Schwester erklärt ausführlich, dass der Computer bestimmte Eckpunkte erfasst und dann das Bestrahlungsfeld errechnet. Das Kreuz zwischen meinen Brüsten muss erhalten bleiben und wird deshalb auch mit einem durchsichtigen Pflaster überklebt. Nun muss ich für zweimal fünf Minuten ganz still liegen und fahre in eine Röhre hinein. Mir ist sehr kalt, die Zeit wird lang und die Arme schlafen mir in dieser Haltung ein. Doch auch das schaffe ich und werde danach wenigstens von den Metallstreifen erlöst.
Am nächsten Montag komme ich zum genauen Anzeichnen wieder und am Dienstag beginnt dann die Bestrahlung.
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