Die Fahrt nach Hornhausen ist lang und anstrengend, auch gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Meine Krebserkrankung vor zwei Jahren belastete meine Familie, alle machten sich große Sorgen. Nun ist meine Mutter seit einem halben Jahr erkrankt, wer kann meinen "neuen" Krebs jetzt noch mit ertragen? Ich werde in dieser Woche noch nichts sagen. Zum Glück fahre ich in der nächsten Woche mit E. an die Nordsee und muss dann erst wieder ins Marienhospital zur Weiterbehandlung. Ja, diese Woche werde ich für meine Eltern da sein, um ihnen zu helfen, mit dieser Erkrankung den Alltag zu leben, die Situation anzunehmen. Man hat als Erkrankte oftmals eine andere Sicht auf die Dinge und ich kann mit meiner Mutter lange Gespräche darüber führen.
Mit diesem Entschluss wird es eine angenehme Woche für uns alle.
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Eigentlich ist es der letzte Schultag vor den Herbstferien, doch ich möchte gar nicht an Schule denken. Ferienzeit - Urlaubszeit - Freizeit - ZEIT.
Bis jetzt waren die Ferien immer lange erwartet und die Vorfreude auch groß, denn wir sind in den Urlaub gefahren. Egal wo wir waren, wir haben immer etwas Neues entdeckt, Bekanntes genossen, waren mit Freunden unterwegs oder haben uns der Familie gewidmet, die so weit entfernt ist. Dies werde ich alles nicht mehr erleben können. Nein, nicht traurig sein. Für heute hast du dir ja etwas vorgenommen und auch die nächsten 14 Tage geplant.
Das Telefon klingelt und die Ärztin aus dem Marienhospital in Aachen ruft an. Sie möchte, dass ich noch einmal ins Krankenhaus komme, um die Befunde der Biopsie auszuwerten. Nein, nach Aachen fahre ich heute ganz bestimmt nicht mehr, denn ich habe für A. ein "blind date" im Saunahof mit Übernachtung organisiert.
Es wäre sehr wichtig für die nächste Behandlung, meint Frau Dr. Ich erfahre nach einigen Gesprächsminuten, in denen ich meine Überredungskunst anwenden muss, die Ergebnisse der Biopsie:
Krebszellen in der rechten Achselhöhle!
Für einige Sekunden herrscht völlige Stille zwischen uns.
Was jetzt? Die Stille breitet sich in meinem Kopf aus. Nein, ich werde nicht sofort zur Weiterbehandlung ins Krankenhaus kommen. Ich werde heute und in den nächsten Tagen Ferien haben, Lebenszeit, auch mit diesem Wissen.
Am Nachmittag hole ich A. ab, ihm werde ich es sagen. Meine erste Krebsbehandlung hat er gemeinsam mit mir erlebt, hat mich begleitet, hat mich getragen.
Kann er es noch einmal? Ich würde es mir sehr, sehr wünschen, weiß allerdings auch, dass keine noch so schwere Krankheit eine/unsere Beziehung retten wird. Bin ich deshalb so ruhig, weil ich mir erhoffe, dass der Krebs es doch kann?
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Mein letzter Tag im Krankenhaus. Dr. Danaei wird, obwohl nichts gefunden wurde, eine Biopsie durchführen. Damals in Leipzig brachte die Biopsie (26.10.2005) den Brustkrebs. Was wird sie dieses Mal aufzeigen? Die behandelnde Ärztin beruhigt mich: Wenn ich nichts beim Ultraschall gesehen habe, dann brauchen sie nicht beunruhigt sein. All diese Aussagen, all diese Untersuchungen, all dies ..., kenne ich schon, habe ich schon ähnlich erlebt. Dejavu - Erlebnis?
Dr. Danaei führt die Biopsie durch. Auch er vertraut seinem Bauchgefühl.
Am Abend kann ich dann ohne Befund nach Hause fahren. E. ist zum Glück da, so fühle ich mich in der neuen Wohnung nicht so allein.
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Die Untersuchungen gehen weiter. Heute folgt ein MRT. Ich bin geduldig, denn eine Abklärung kommt auch mir entgegen. Alle sind sehr freundlich. Als Dr. Danaei kommt und mit mir redet, fühle ich mich umsorgt und weiß, dass er nicht locker lässt, bis alles geklärt ist. Er ertastet noch einmal meine Achselhöhle und schickt mich zum Ultraschall. Weder das MRT noch die Ultraschalluntersuchung ergeben etwas. Jetzt müsste ich doch zufrieden sein. Ich erwarte ETWAS. Bin ich wirklich enttäuscht, dass alles nur Einbildung ist? Man, Cerstin, was ist mit dir los? Freue dich und lebe, lebe dein Leben, auch wenn eigentlich alles, was du dir wünschst, nicht mit dieser Erkrankung zu tun hat. Du kannst Leben, du wirst noch leben.
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Heute muss ich zur PET - Untersuchung. Bereits zu Hause habe ich einiges im Internet gelesen, damit ich nicht ganz unvorbereitet bin: Die Positronen-Emissions-Tomographie: Abkürzung PET, ist ein bildgebendes Verfahren der Nuklearmedizin, das Schnittbilder von lebenden Organismen erzeugt, indem es die Verteilung einer schwach radioaktiv markierten Substanz (Radiopharmakon) im Organismus sichtbar macht und damit biochemische und physiologische Funktionen abbildet (funktionelle Bildgebung). www.wikipedia.de
Nachdem ich das radioaktive Kontrastmittel erhalten habe, verlasse ich die Praxis und kaufe mir zwei nette Sachen, damit sich die Seele freut. Zurück kann dann die Untersuchung beginnen. Das ruhige Liegen fällt mir nicht schwer, schlafe fast ein, trotzdem bin ich dann froh, als die Schwester mich erlöst. der Arzt will auch gleich mit mir reden. Er kann keine Auffälligkeiten erkennen, beruhigt mich, da diese Untersuchung 90 % sichere Aussagen zulässt, und wünscht mir alles Gute. O.k., trotzdem ist der "Gnubbel" da.
Ich richte mich in meinem Zimmer ein, lese und freue mich, wenn eine Schwester nach mir schaut. Ansonsten bin ich allein. Meine Familie möchte ich noch nicht beunruhigen. Außerdem weiß ich selbst nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll. Ist oder ist nicht? E. weiß Bescheid und ruft auch an. A.? was würde es ändern?


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Einweisung Marienhospital Aachen
Mein Allgemeinzustand ist schlecht: Gewichtsabnahme, Müdigkeit, kleinere Erkrankungen, Blutwerte sind grenzwertig, Tumormarkerwerte hoch.
Dr. Danaei macht sich Sorgen und möchte einige Untersuchungen durchführen, um das Steigen der Tumormarkerwerte abzuklären.
Ich vertraue ihm und habe auch seit einiger Zeit etwas gefunden. Einen kleinen "Gnubbel" in der rechten Achselhöle. Seit einigen Wochen habe ich ihn ertastet und er fühlt sich ähnlich an wie damals der kirschkerngroße Knoten in der rechten Brust. Warum bin ich nur so ruhig, wenn es um die Nachsorge geht? Was spürt mein Körper, was kann der Verstand noch nicht begreifen?
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