Ich wünsche dir Zeit
Ein Gedicht von Elli Michler
Ich wünsche dir
nicht alle möglichen Gaben.Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.
Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
Ich wünsche dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrigbleibenals Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.
Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!


Annette Rexrodt von Fircks schreibt in ihrem Buch " ... und tanze durch die Tränen" (Lektüreempfehlung)

Geschehenes kann ich nicht ungeschehen machen, aber ich habe immer die Möglichkeit, mich für das Leben zu entscheiden, auch wenn ich meine, bereits in der Hölle zu sein. Häufig werde ich gefragt, woher ich nur die Energie nehme. Ich antworte dann, dass der Augenblick des Lebens sie mir schenkt und dass dies nur geschieht, wenn ich mich in Achtsamkeit übe. Achtsamkeit, meine größte Chance, das Leben nicht zu verpassen.

Dass Dramatisieren und Hadern mit meinem Schicksal von keinem Nutzen sind, habe ich ziemlich schnell verstanden. Im Gegenteil, sie würden mir die Lebensfreude und die Chance, wieder gesund zu werden, sogar verwehren. Demut und Dankbarkeit hingegen helfen weiter, wenn es mir schlecht geht, wenn das Schicksal mal wieder zugeschlagen hat. ... Hätte ich durch Wut oder Verzweiflung meinen Zustand verbessern können? Nein! Aber Dankbarkeit hat mich getröstet, ... Demut hatte mir den Weg gewiesen, so dass ich im Augenblick lebte und nicht die Zukunft dramatisierend vorwegnahm. ... Durch negative Gefühle kann ich nichts, aber auch rein gar nichts Gutes für mich bewirken.

diversification.
Samstag, 8. April 2006
„Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung."

Sanduhr2



In unserem ganzen Leben gibt es immer einen Ausgleich zwischen Stillstand und Veränderung: Ohne Stillstand könnte man niemals Veränderung und feststellen und er keine Veränderungen kennt, der weiß auch nicht was Stillstand hat. Beides hat seine guten und seine schlechten Seiten, die nicht zu verallgemeinern sind, sondern immer abhängig von der jeweiligen Situation zu betrachten sind. Stillstand und Veränderung bedingen einander, sie entstehen auseinander und treten immer im Wechsel auf. So ist es auch bei den Jahreszeiten: Winter und Sommer sind der Stillstand, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen, während man im Herbst und im Frühling die Veränderung ständig und täglich beobachten kann. Man muss nur aufmerksam genug sein. Aber es gibt auch verschiedene Arten der Veränderung: Zum Einen diese, die nie aufhört, sich immer vollzieht und die so langsam ist, dass sie uns fast nicht auffällt. Diese Art der Veränderung wird deutlich, wenn wir einen anderen Menschen nach vielen Jahren wiedertreffen und er überzeugt ist, dass er sich nicht verändert hat – doch wir Menschen tun es, und das eben oft ganz langsam. Die zweite Art der Veränderung ist die, die wir bewusst vollziehen, zum Beispiel durch den Umzug in eine andere Stadt, oder die Ausübung einer neuen Tätigkeit – die äußeren Umstände, die sich verändern, verändern auch uns selbst. So bedingt also die eine Art der Veränderung immer auch die andere. Schließlich bleibt noch die stärkste Art der Veränderung, die oft nur durch eine einzige Tatsache auftritt. Oft ist es nicht viel mehr als ein einziger Satz, ein Wort, ein Blick, eine Nachricht, die alles verändert. Diese Veränderung vollzieht sich schlagartig, sie wirft ein komplett neues Licht auf alles und zeigt uns etwas auf, was für uns vorher im Schatten lag. Auch diese Veränderung kann Gutes und Schlechtes bedeuten, aber eines haben alle drei Arten der Veränderung doch immer gemeinsam:


Veränderungen formen uns und unser Umfeld ebenso, wie wir durch uns selbst und unser Umfeld geformt werden ...

Geschrieben von Sophie U. aka Analyze um 16:21

khalil
Khalil Gibran, Der Prophet


 
Und eine Frau, die einen Säugling an der Brust hielt, sagte: Sprich uns von den Kindern.
Und er sagte:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit seiner Macht, damit Seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Von den Kindern
 
blatt_01


Ein guter Freund hat dies gefunden:
Ein Philosophieprofessor stand vor seinen Studenten und hatte auf dem Pult vor sich einige Gegenstände ausgebreitet. Als die Stunde begann, nahm er wortlos ein großes, leeres Glas und füllte es nach und nach mit Steinen, Steinen von etwa 5 cm Durchmesser. Dann fragte er die Studenten, ob das Glas voll sei. Sie bestätigten es. Daraufhin nahm der Professor einen Behälter mit Kieseln, schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die Kiesel verteilten sich natürlich in die Zwischenräume, die die Steine gelassen hatten. Er fragte seine Studenten erneut, ob das Glas voll sei. Sie bestätigten es erneut. Einige lachten. Nun nahm der Professor ein Behältnis mit Sand und schüttete ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die restlichen Zwischenräume.
Jetzt möchte ich, sagte der Professor zu den Studenten, dass Sie erkennen, dass das Ihr Leben ist. Die
Steine sind die wichtigen Dinge – Ihre Familie, Ihr Partner, Ihre Gesundheit, Ihre Kinder – Dinge, die dafür sorgen, dass Ihr Leben noch immer „voll“, noch immer erfüllt ist, selbst wenn alles andere verlorengeht und nur sie übrig bleiben. Die Kiesel sind andere Dinge von Gewicht in Ihrem Leben – wie Ihr Job, Ihr Haus, Ihr Auto. Der Sand ist der Rest. Das Nebensächliche.
Wenn Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, ist kein Platz übrig für die Kiesel und die Steine. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie auf das Nebensächliche ver(sch)wenden, gibt es nie Raum für die Dinge, die wichtig für Sie sind.
Achten Sie auf die Dinge, die entscheidend sind für Ihr Glück. Spielen Sie mit Ihren Kindern. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Gesundheit. Führen Sie Ihren Partner aus zum Tanzen. Es ist immer noch Zeit genug, zur Arbeit zu gehen, das Haus zu putzen, eine Party zu geben und sich um das zu kümmern, was zu „erledigen“ ist.
Sorgen Sie zuerst für die Steine – die Dinge, die wirklich zählen. Setzen Sie Ihre Prioritäten. Der Rest ist nur Sand.

11 10 2004 0905

Spuren im Sand
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
 
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war,
blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
 
Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?" 
 
Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich
und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."
 
Text: Margaret Fishback Powers
© Copyright 1964 Margaret Fishback Powers

Wismar2005 052

Loslassen

Meer und Rauschen für die Seele.
Wind sowie Kälte im Gesicht.
Alle Sorgen auch Ängste veralten
bei der Weite und Kraft der Gewalten.

Nebel und keine klare Sicht.
Wolken empfinden über sich.
Alle Pflichten und das Muss verschwinden
im undurchsichtigen Kampf: Empfinden.

Sand und verzerrte Bewegung.
Eis verleiht Starrheit jedem Schritt.
Alle Veränderungen stagnieren,
weil die Wettergewalten regieren.

Dunst und Feuchtigkeit verspüren.
Regen auf schon nassen Haaren.
Alle Alt-Gedanken ignorieren,
da sie sich in der Weite verlieren.

C.S.
(Erstfassung: Februar 1998; Überarbeitung: Mai 2006)

Du frierst
und viele werden sagen
Es ist nicht kalt!

Du hast Angst
und viele werden sagen
Hab nur Mut!

Du bist allein
und viele werden sagen
Jetzt keine Zeit!

Doch manchmal
ist da jemand
der sagt
Nimm meinen Mantel
und meine Hand
und lass mich dich
ein Stück begleiten - jetzt.

Angela Sattler

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen. Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin, ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen. Ich würde nicht so gesund leben. Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen, Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen. Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten; freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben. Falls du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben; nur aus Augenblicken; vergiss nicht den jetzigen. Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen. Und ich würde mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte. Aber sehen Sie ... ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.
Jorge Louis Borges, eigentlich H. Bustos Domecq (1899 - 1986),


Ich lebe!
Ich nehme Abschied - 

find’ zurück,

bin traurig - 

und genieß’ das Glück,

ersehne, träume, schwebe - 

und lebe!



Ich stürme vor - 

und halte ein, 

kann mutig - 

kann auch feige sein,

entscheide, handle, strebe - 

und lebe!



Was auch geschieht,

ich geb’ nicht auf: 

ich renn hinab

und keuch’ hinauf,

ich nehme und ich gebe.

Verdammt noch mal - 

ich lebe!
Gudrun Pausewang